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schreitender Entwickelung seiner Arbeit, unbewusst jenen Gebilden ausweichen,
welche seinem Auge widerstreben; nachbildend wird er jene
Gestalten festhalten, denen seine Empündung die Sanction ertheilen kann;
er wird, ebenso unbewusst nach wiederholter Neugestaltung des Erzeugten
mit der Zeit eine Typenreihe schaffen, deren Glieder allmälig
geläutert und geklärt sich der Vollkommenheit nähern.
Solche einmal feststehende Typen können lange Zeit bestehen, ehe
eine weitere Veränderung derselben bemerkbar wird; und nur allmälig
und schrittweise, oft nur durch Veranlassungen materieller Natur, etwa
dem Auftauchen eines neuen Gestaltungsmittels, oder durch die Vervollkommnung
der Technik, vollzieht sich in den meisten Fällen die Umwandlung
der Formensprache.
Diese Umwandlung kann sich in den Knnstepochen der verschiedenen
Völker in proteusartiger Vielgestaltigkeit vollziehen. Entrückt in der Vergangenheit
Ferne, sind die Urgestalten der dem Lebenden vor Augen
befindlichen Gebilde so sehr der Beurtheilung verschlossen, dass die zusammenhängende
Kette ihrer Entwickelung gar bald nicht mehr vollständig
oder nur ausnahmsweise und unter besonderen Umständen überblickt
werden kann. Andererseits sind die Contraste der entwickelten Kunstformen
verschiedener Länder und Racen unter dem bestimmenden Einflusse
specifischer Umstände nicht minder bedeutend, wenn gleich die
ältesten Anfänge jeder Kunst fast in nichts von einander unterscheidbar
sind. Und trotz dieser Vielgestaltigkeit der Erscheinung künstlerischer
Formentwickelung, sind es doch dieselben unwiderstehlich wirkenden
gesetzmäßigen Ursachen, welche jedem Kunstgebilde zu Grunde liegen.
Sie sind es, welche das Gemeinsame der Stylarten ausmachen;
welche bewirken, dass die letzteren sich keineswegs so schroff und feindselig
gegenüberstehen, als wohl manchmal angenommen wird; sie sind
es auch, welche die Kunst davor bewahren müssen, dass sich eine einzelne
Ausdrucksweise des Kunstschalfens als an sich alleinberechtigte
und allein seligmachende Stylart behauptet. Es kann nach dem Gesagten
daher auch nicht befremden, wenn wir in Stylperioden, deren Classicitiit
von Niemandem angezweifelt wird, fremde Kunstformen als lebensfähige
Reiser ihrem fernen heimatlichen Boden entnehmen und auf neuen Grund
verpflanzen sehen, wo sie dann, manchmal mehr oder weniger zu einer
neuen Varietät umgewandelt, fröhlich erblühen und Früchte tragen.
Solche Adoptivkinder der Kunst lohnen reichlich die Mühe, welche
ihre Pflege verursacht. Weit entfernt, dass sie sich zwischen [den einheitlich
zusammenstimmenden Kunsterzeugnissen eines Landes als fremde Elemente
bemerkbar machen, fördern sie die Harmonie, wirken belebend auf die
Productivität der Kunst ihres neuen Vaterlandes und verschmelzen in
kurzer Frist mit dieser in solchem Grade, dass alsobald auch das Andenken
an ihre fremde Abstammung erlischt, und die spätere Wiedererinnerung
an diese nicht selten ungläubige Aufnahme findet.