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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 11)

2718

für eine präcisere Datirung zu gewinnen und namentlich festzustellen,

inwiefern innerhalb der beiden Fundgruppen sich Stücke finden, die den

Uebergang von der früheren zur späteren Periode in bestimmter Weise

vermitteln. Als unmittelbaren Gewinn dürfen wir aber heute schon den

Nachweis der Uebung der Gobelinweberei für eine weitere Stylperiode

bezeichnen,. die uns bereits nahe an jene Zeit heranführt, da unter dem

Einflusse der importirten orientalischen Stoffe und der Einführung der

Seidenweberei in Südeuropa sich ein Umschwung des Geschmackes vollzog,

 der schließlich zur Schatfung eines eigenen occidentalischen Seidenstyles

 führte; parallel mit diesem Umschwunge werden wir uns aber

das Verschwinden der Gobelinweberei aus dem Gewandschmucke denken

müssen.

Das maureske Ornament.

Von Prof. Hans Macht.

(Schluss)

Kein Wunder, dass die deutschen Meister der Kleinkünste zur Förderung

 des Schaffens ihrer Zeitgenossen Vorlageblätter im Sinne der

neuen Zierweise schufen, deren sich jeder Künstler bequem bedienen

mochte zur reichen Ausstattung seiner Werke.

Da glänzen denn vor Allem zu Nürnberg zwei Namen: die der unvergleichlichen

 Männer Virgil Solis und Peter Flötner.

Eine gereirnte Inschrift auf einem von Balthasar Jenichen in Kupfer

gestochenen Porträt des Erstgenannten lässt uns seine Geburt in das

Jahr 1514 setzen, denn diese Zeilen lassen ihn unter Anderem sagen:

 "Da . ich . war . in . meinem . 4.8 . jar

5 . 62 . die . iarzal . Christi . war

fordert . mich . Gott . ab . dieser . weltu . . .

Diese genannte Inschrift nebst einigen wenigen Zeilen in des Schreibund

 Rechenmeisters Johann Neudörfer "Nachrichten von Nürnberger

Künstlern und Werkleutenu und zwei von Lochner veröffentlichten Quittungen,

 aus welchen wir die Namen seiner Gattin und seiner Kinder

erfaihren, machen zusammen die Ueberlieferungen aus. welche uns Näheres

von diesem bedeutenden Manne zur Kenntniss bringen.

Allein beredter als jede Lebensbeschreibung spricht die unabsehbare

Reihe der von ihm geschaffenen Kunstblätter. Seine Entwürfe für Goldund

 Silberschmiede, seine Ornamentstiche, einer Reihe von Folgen angehörig,

 zeigen das köstliche, ganz eigenartige Genie dieses Künstlers, der

nimmermüde sein reiches Gestaltungstalent zu Nutz und Frommen seiner

Berufsgenossen zur Ausübung brachte und in der ihm zugemessenen .

verhältnissmäßig kurzen Spanne Lebenszeit bethätigte, was die schon

citirte Inschrift von ihm besagt: dass ihn die Künstler einen Vater
            
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