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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 4)

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Abschnitt über den verschiedenen geistigen Gehalt byzantinischer und westlandischer

Darstellungsweise, z. B. des am Kreuze hängenden Christus und seiner Umgebung an;

sehr instructiv ist auch, was Linas über das Vorurtheil sagt, als sei die byzantinische

eine ganz leblose Kunst gewesen.

Die anderen zwei Werke befassen sich mit Limosiner Emailarbeiten, und zwar

zunächst mit denen, die in der nach Petersburg gewanderten Sammlung Basilewslty

sich beünden, ein kurz gehaltener musterhafter Katalog; dann das Emailtriptychon des

Schatzes von Chartres, das noch über die Stürme der Revolution hinaus sich erhalten

hat. Besonders fasst Linas die etwas barbarische Restauration des Reliquiars, 1813, die

deutlich daran erkennbare, in Limogcs gebräuchliche Theilung der Arbeit und die

ursprüngliche Bestimmung als Altar-Retable in's Auge. -- Das dritte Werk behandelt

ausführlicher, als es im ersten Sammelwerke geschehen, das Stationsltreuz des Diözesan-Museums

 von Liege, vergleicht eingehender das deutsche und limosiner Email und gibt

klar die Unterschiede zwischen beiden an. Hier mochte ich einen kleinen Zweifel darüber

erheben, dass Deutschland im Mittelalter durch die Donau mit den Griechen verbunden

gewesen sei (pag. 24). Ich glaube vielmehr, dass diese Wasserstraße im Mittelalter

noch unbedeutender war als jetzt, so dass z, B. gerade Wien, wo doch noch eine byzantinische

 Prinzessin Gattin eines mächtigen Babenberger Fürsten war, gar nicht so starken

Einßuss der byzantinischen Kunst erfahren hat, trotz den nGraeciu von Hernals, -_ Ich

halte für Deutschland die Verbindung mit der Adria immer für die wichtigere, ich meine

die mit Venedig. Dass Limoges dagegen starker mit Alexandrien in Verbindung stand,

dass also mehr orientalische Motive sich in den limosiner Schmelzarbeiten herausfinden

lassen, gebe ich zu. Für Linas war es wichtig, die Unabhängigkeit der limosiner Kunst

gegenüber der deutschen auf diesem Wege nachzuweisen. Selbst wenn man Linas in

diesem Stücke nur theilweise Recht geben wollte, bleiben seine Untersuchungen von so

hohem Werthe, dass das eingehendste Studium der von uns angezeigten Werke Jedem

empfohlen werden muss, der sich mit mittelalterlicher Kleinkunst beschäftigt.

Nnn.

Ili

Les plaquettes. Par Ernile Molinier. (Bibliotheque internationale de

l'art sous la direction de M. Eugene Mlintz; les bronzes de la renaissance.)

 Paris, Rouam, 1886. 8". 2 Bde. t. Bd. XL u. 215 5.; z. Bd.

23g S. mit zahlreichen Illustrationen.

Das Oesterr. Museum besitzt eine bemerkenswerthe Sammlung von kleinen Bronzereliefs,

 Plaquettes genannt, die eine reiche Fülle von Anregung für unsere Ciseleure und

Medailleure enthält. Eine Plaquette ist nicht an den kreisrunden Contour gebunden, wie

die Medaille, und erlaubt daher der Composition viel freiere Entfaltung. Gar manches

Porträt, manche Gruppe sieht in rectangulärer oder in ovaler Umrahmung ungleich

eleganter aus als in der conventionellen Rundung. Die modernsten Franzosen haben sich

diese Beobachtung, die sie an den Plaquettes der Renaissance und an denen späterer

Kunstperioden gemacht haben, in ausgedehnter Weise zu Nutze gemacht, wie man das

u. A. auch im nSalon- 1886 sehen konnte. Neben den herrlichen Medaillen von J. C.

Chaplin konnte man dort L. O. Katy's Plaquetten zu dem Besten rechnen, das überhaupt

ausgestellt war. In Roty's Arbeiten spiegelte sich recht deutlich die gegenwärtig in Paris

so lebhaft cultivirte Beschäftigung mit den kleinen Btonzereliefs hauptsächlich der

italienischen Renaissance ab. Die Sammler Dreyfuß, Piot, Spitzer, der gelehrte Courajod

und nicht an letzter Stelle der Louvre selbst fahnden mit Eifer und Geschick nach

diesen kleinen Denkmälern feinen Geschmackes, mit denen sich auch das wissenschaftliche

 Werk beschäftigt, welches wir zu besprechen haben und das hiemit allen

Freunden der Plastik im Kleinen mitWarme empfohlen sei. Molinier hat darin zusammengestellt

 und beschrieben, was ihm nur immer erreichbar war. Und gewiss hat er auch

eine anerltennenswerthe Vollständigkeit erreicht, wenngleich ihm manche Stücke und

manche Varianten entgehen mussten. die eben in diesen oder jenen Sammlungen versteckt

und unbeschrieben sind. in Moliniefs Buch kommt eine in jeder Beziehung sehr achtenswerthe

 Meisterschaft zum Ausdrucke. Gegen manche Zuschreibungen wird sich Widerspruch

 erheben, wie gegen die von Nr. 233, i-Triomphe d'un ht-Srosa, welche Plaquette

Molinier dem Andrea Briosco gibt, der doch in seinen bezeichneten Arbeiten stets viel

herber ist und die Formen nicht so weich und fein tlurchbildet, als wir es auf dem

erwähnten nTriomphe d'un herosu bemerken müssen. Viele andere Zuschreibungen

legen dafür wieder von sicherer Kennerschaft Zeugniss ab und dürften sich bleibend

halten. - Konnte dem Texte eine weitgehende Anerkennung gezollt werden, so müssen

dagegen die Illustrationen mit Ausnahme des Titelbildes als etwas undeutlich bezeichnet

werden. Das allerdings sehr billige Verfahren phototypischer Reproduction mit einge-
            
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