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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 6)

so ziemlich Altersgenossen, denn Hans Sebald wird 1500, Barthel 1502

zu Nürnberg geboren und auch Georg Pencz dürfte nicht viel älter

gewesen sein. Er heiratete 1524 Dürer's Magd, vielleicht jene Susanna,

welche den Meister und dessen Frau Agnes auf der niederländischen

Reise begleitete und mit beiden zu dem Festmahle geladen ward, welches

die Antwerpener Maler dem Dürer zu Ehren veranstalteten. Demnach

ist der Ausdruck Magd wohl nicht strenge in modernem Sinne zu nehmen,

so wenig als der Name: Dürer's Knecht Jörg, welcher dem Pencz in der

bezüglichen Urkunde des Nürnberger Archives beigelegt wird. Gleichzeitig

 wird Pencz Bürger von Nürnberg, was aber nicht verhinderte, dass

er im nächsten Jahre mit seinen Malercollegen Hans Sebald und Barthel

Beham kraft eines Rathsbeschlusses aus der Stadt verbannt wurde. Diese

drei zusammen sind eben jenes Trifolium ngottlosern Maler, welche wegen

irreligiöser, socialistischer und communistischer Umtriebe einem peinlichen

Verhöre vor dem Stadlrathe unterzogen wurden, dessen Inhalt ich mir

wegen seines culturgeschichtlichen Interesses in Kürze mitzutheilen erlaube.

Zum Verständnisse der Situation müssen wir uns die damaligen

Zeitverhältnisse und die Aufregung vergegenwärtigen, welche sich seit

Luther's Auftreten aller Gemüther bemächtigt hatte. An und für sich

von den besten Absichten eingegeben und von allen Gebildeten, auch

den kirchlich gesinnten, freudig begrüßt, schlugen die Lehren Luther's

aber bald eine Richtung ein, welche von schwärmerischen und fanatischen

Köpfen in die Menge getragen auf Abwege führte. Wie eine geistige Epidemie

 weiter grassirend, und vom religiösen auf das politische Gebiet überspringend,

 strebte dieselbe zuletzt nach communistischem Umsturz der Gesellschaft,

 bis sie im Bauernkriege und in dem hirnverbrannten Königthum

der Wiedertäufer in Münster einen tragischen vorläufigen Abschluss fand.

Auch in Nürnberg hatte die reformatorische Bewegung auf kirchlichem

 Gebiete warme Anhänger gefunden und Dürer selbst zählte zu

ihnen. Der Stadtrath ließ, objectiv genug, die Parteien ruhig gewähren,

bis die Neuerer die Sache zu arg trieben und die obrigkeitliche Autorität

in Gefahr zu kommen drohte. Unsere drei Maler ließen sich in dieser

Richtung gar manches zu Schulden kommen, und zwar dürfte der entlaufene

 Cisterciensermönch H. Pfeiffer Schwertlisch, der Haupturheber

des Bauernkrieges und Parteigänger von Thomas Münzer und dessen

Theorien der Gütergemeinschaft, indirect die Anklage der jungen heißblütigen

 Maler zu Beginn des Jahres 1525 verschuldet haben. Hans

Sebald Beham äußerte sich damals, man solle nicht mehr arbeiten, man

müsse einmal theilen und er erkenne keinen Oberen an als Gott den

Allmächtigen; und als Pencz vor Gericht gefragt wurde, ob er an Gott

glaube, sagte er: er empfinde es zum Theile, was er aber für Gott

halten solle, das wisse er nicht; von Christus, dem Evangelium und

Worte Gottes, vom Abendmahle und von der Taufe halte er gar nichts.

Auf die Frage, ob er eine weltliche Obrigkeit und den Rath von Nürn-
            
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