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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 7)

Gefäss befindet sich im Besitze des Herrn Inspeclors Carl Schefller zu

Wie n und bringt eine Reihe von acht Scenen aus der Geschichte Samsons

zur Darstellung. [n den Zwickeln, die im Rande zwischen den Darstellungen

 übrig bleiben, finden sich Thierfiguren angebracht. Das horizontale

 Ränclchen ist mit dem Perlenpunzen behandelt (045 Meter Durchmesser,

 o'o9 Meter Höhe). In demselben Artikel wird noch eines verwandten

 kleineren Objectes zu Herrenhausen Erwähnung gethan und

überdies eine zu KönigsbergÜ befindliche Schüssel folgendermassen

beschrieben: "Sie ist offenbar christlicher Provenienz und dürfte dem rz.

oder 13. Jahrhunderte angehören. Auf dem Boden zeigt sich eine roh

gravirte weibliche Figur mit der Inschrift: wVERAu. I-Ierum finden sich

die I-Ialbfiguren von vldolatria, Invidia, Irau und wLuxuriau. Im aufsteigenden

 Rande zwischen äußerst rohem Blattwerk und solchen Blumen steht

mehrmals w-Dolus, Odiumß und "Inclitumu. Alles, besonders das letzte

Wort in höchst flüchtiger, unsicherer Capitalis. Das horizontale Rändchen

 ist mit dem Perlenpunzen behandeltnx Ihre Dimensionen, soweit

sie mir in Erinnerung sind, dürften sich mehr denen der Genter Schüsseln

als denen der Wiener Schüssel nähern.

Die angeführten Denkmäler, deren Verbreitungsbezirk ein ziemlich

weiter gewesen zu sein scheint, zeigen mannigfache Uebereinstimmung.

Sehr beliebt waren auf ihnen offenbar die Darstellungen von Tugenden

und Lastern. Wir finden diese auf zweien der zu Gent gefundenen Schüsseln,

auf der Münchener, auf der Pester, auf der Königsberger, auf der aus

Pöddes und Stade.

Beachten wollen wir gleich hier, dass die lnschriften der Pester

Schüssel mit denen auf dem Münchener Becken bis auf Kleinigkeiten

übereinstimmen. Dass auf der Pester Schüssel die Inschriften im Rande

(Odium, Dolus u. s. w.) fehlen, erklärt sich aus dem sehr schadhaften

Zustande, in welchem sie sich befindet. Denn sie zeigt Sprünge, ja sogar

Löcher (im Boden) und ist über und über mit einer ziemlich dicken Schicht

von grünen Kupfersalzen (mit aerugo nobilis) bedeckt. Ursprünglich mögen

die Inschriften im Rande wohl vorhanden gewesen sein.

Nach den Analogien wäre auch zu vermuthen, dass an der Pester

Schüssel auch das horizontale Rändchen mit dem Perlenpunzen verziert

war. Offenbar zeigen die Pester und die Münchener Schüssel die größte

Verwandtschaft. Mehr für sich stehen die Becken in Wien, Aachen, Trier,

Xanten und Paris. '

") Ich kenne diese Schüssel nur nICh einem allerdings vorlrelflichen Abguss: des

Rürn. Germ. Cemrulmuseums zu Mainz. Herr Direclor L. Lindenschmit hatte die Güte

mir mitzulheilen, dass sich das Original in der Sammlung des Vereines Prussia zu

Königsberg befindet. Gefunden wurde sie am Schlossberg Prombork (im Kreis Restenburg

 in Ostpreußen).

Von der Schüssel zu Herrenhausen steht mir keine Beschreibung zur Verfügung.
            
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