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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 7)

Die deutschen Kleinrneister des 16. Jahrhunderts.

Von Eduard Chme In rz.

(Fortsetzung)

Sie können, hochverehrte Anwesende, daraus bereits entnehmen,

wohin ich ziele. Mir widerstrebt die althergebrachte Benennung der Kleinmeister,

 hergeleitet von dem zumeist kleinen Formate ihrer Blätter ebensosehr,

 als es ungerechtfertigt ist, diesen Namen auf die Nürnberger

Künstlergruppe, welche mehr oder weniger Dürefschen Einfluss zeigt, zu

beschränken oder vollends, wie es neuestens geschehen ist, die Blüthezeit

der sogenannten Kleinmeister auf die kurze Spanne zweier Jahrzehnte,

von 1520-1540 zu reduciren. Dass die große Zahl von Meistern, welche

ich vorhin genannt habe, nicht in dem Folioformate der Rubens'schen

Stecherschule arbeitete, liegt in der Natur der Sache begründet. Hatte

die Mehrzahl von ihnen das bewusste oder unbewusste Streben, die Errungenschaften

 der italienischen Renaissance in Durchbildung der schönen

Form auf Grundlage des Studiums der Antike auch für die deutsche

Kunst zu verwerthen, so waren sie unter dem Zwange der heimischen

Verhältnisse überhaupt auf den Kupferstich und den Holzschnitt angewiesen.

 Man vergegenwärtige sich die großräumige italienische Architektur,

die Kunstpüege der Medicäer, der Päpste, der Signoria von Venedig, der

Fürsten von Mantua, Ferrara, Bologna und Urbino u. s. w., die potenzirte

 Oelfentlichkeit der italienischen Kunst - und man denke als Gegenstück

 an die engen Schranken, welche der monumentalen Kunstübung

diesseits der Alpen durch die Unstetigkeit der kaiserlichen Residenz, die

Armuth und Verrohung des Adels und die geringe Zahl wohlhabender

Communen gezogen waren, und man wird es verstehen, dass gerade im

Holzschnitt und im Kupferstich das Schwergewicht der deutschen Kunst

jener Tage zu suchen ist. Da es speciell den Malern versagt war, in

großen Freskencyklen ihrem Schalfensdrange und Talente Luft zu schaffen,

so ergriffen sie mit einer Art von Begierde die graphischen Künste, um

auf minder kostspieligen, leichter transportablen und für das große

Publicum leichter käuflichen Blättern jener Fülle von Gedanken zum

Ausdrucke zu verhelfen, welche in jener Zeit der Entdeckungen auf allen

Gebieten des Lebens sozusagen in der Luft schwirrten und der Fixirung

in Wort und Bild harrten. Ein tretfender Gedanke braucht nicht immer

vieler Worte, ein gutes Bild nicht immer viele Meter Wandliäche oder

Leinwand; darum die kleinen Formate der sogenannten Kleinmeister

einerseits und andererseits mochten vielleicht die didaktischen Tendenzen

 nach Nutzbarmachung des eigenen Erlernten, nach Einführung

der neuen Formenschönheit in die praktische Thätigkeit der Schreiner,

Schmiede und vor allen der Goldarbeiter maßgebend gewesen sein. Die

Titelblätter der zahlreichen damals erschienenen Kunstbüchlein sprechen

dies deutlich genug aus: als freie Kunstschöpfungen, aber zumeist mit
            
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