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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 7)

Zur Kenntniss der gravirten Bronzeschüsseln des

Mittelalters.

Was an Metallschiisseln aus dem Mittelalter bis auf uns gekommen

ist, lässt sich ungezwungen in mehrere Gruppen bringen. Die aus Bronze

oder verwandtem Materiale gefertigten Gefäße dieser Art nehmen darunter

gewiss keine untergeordnete Bedeutung in Anspruch, besonders die

Limousiner Schüsseln mit Grubenschmelz aus dem 13. Jahrhunderte und

die meist etwas älteren Schüsseln mit gravirten Zeichnungen. Eine große

Anzahl von getriebenen Becken, die für sich auch wieder eine gewisse

Gruppe bilden, dürften zumeist nicht mehr dem Mittelalter angehören,

wenngleich sie vielfach noch gothische Formen zeigen und ehemals für

vuraltu gehalten wurden '). Eher scheint das 16. Jahrhundert die Blüthezeit

 jener getriebenen Schüsseln gewesen zu sein, von denen viele Beispiele

 sogar noch aus den späteren Jahrhunderten bekannt sind").

Wir geben heute auf diese jüngeren Gruppen von Denkmälern nicht

näher ein, sondern wollen uns mit jenen Bronzeschüsselu beschäftigen,

die in ihrer Gruppe Vertreter im Stile "noch des hohen Mittelalters aufzuweisen

 haben. Einzelne Monumente dieser Art sind an verschiedenen

Orten beschrieben worden. Hier soll versucht werden, das zerstreute

Material zu ordnen und durch einige Vermuthungen anregend auf die

Forschung zu wirken.

Schon im Jahre 1819 wurde eine bei Stade gefundene gravirte

mittelalterliche Schüssel beschrieben; 1849 eine bei Pöddes gefundene;

1868 ist das gravirte Bronzebecken des Pester Nationalmuseums von

Römer veröffentlicht worden. Seither, besonders im Verlaufe der letzten

Jahre, hat man noch mehrere solcher Denkmäler an die Oeifentlicbkeit

gebracht.

Die Bronzeschüssel, die bei Stade"") gefunden ist, zeigt folgende

Darstellungen, die ich nach der ersten Publication beschreibe: ein der

Mitte sitzt in einem Kreise eine gekrönte Figur, die in jeder Hand einen

Reichsapfel .. . zu halten scheint, mit der Inschrift: Superbia; um diese

sind vier Brustbilder KIOlatia (idolatria), ANdia (invidia), Ira, Luxuntia

(luxuria) bezeichnet . . . . . . . Näher am Rande steht zwischen den Köpfen

') Vergl. nCuriositälen der physisch-literurisch-nrtinisch-hislorischen Vor- und

Mitwelt: Weimar. V. Bd. (1316), S. 386 (f. nBemerkungen über die lnsehriften drei uralter

metnllcner Beckenm Vergl. auch nCuriusikätenl VIIl., S. 229 E.

"") Vergl. Katalog der hislor. Bronze-Ausstellung des k. k. Oesterr. Museums 1333,

Nr. 880 G. Ueber derlei Schüsseln siehe auch nAnzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit-1853

 S. 16, 1854 Sp. 11 6., 1861 Sp. 318 5., 1864 Sp. 325 5., 1874 Sp. 175, 1876

Sp. 193 E. _

m") Die Schüssel von Stade ist beschrieben in den nGdningischen gelehrten Anzeigen:

vom 4. Ocxober 1819 (S. 1585 f.).
            
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