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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 11)

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Möbel hin, die freilich die Eleganz der Pariser Ebenisterie vermissen

lassen. Ferner bemerkt man die nüchterne und bis zur Aermlichkeit

sparsame Anwendung von vergoldeter Bronze, die sich fast lediglich auf

den dorischen Triglyphenschmuck beschränkt. Abgesehen davon, dass

wir von Roentgen Möbel kennen, die auch dieses Decorationsmittel in

reicher Weise zur Schau tragen, übersieht man dabei gänzlich, dass der

Meister hierin nur dem allgemeinen Zuge der Zeit folgt, ia demselben

voraneilt: das französische Empire in seiner kahlen Nachahmung der

Antike hat sich auch mit den wenigen architektonischen Ziergliedern

a la grecque begnügt. Will man der künstlerischen Bedeutung Roentgen's

gerecht werden, so muss man seine Leistungen von jener Seite betrachten,

nach welcher seine Ueberlegenheit über alle Rivalen - Riesener nicht

ausgeschlossen - auch von den modernen französischen Kritikern anerkannt

 wird: der Marqueterie.

Champeaux mag nicht ganz Unrecht haben, wenn er die Ueberhandnahme

 des deutschen Elementes unter den Pariser Möbelindustriellen

im Zeitalter Louis XVI. mit der zunehmenden Bedeutung in Verbindung

bringt, die die Marqueterie in der ornamentalen Ausstattung der Möbel

seit der Mitte des Jahrhunderts gewonnen hatte. Eingelegte Arbeit trägt

selten den Stempel unmittelbarer geistvoller Erfindung; ein genialer

Einfall in der Zeichnung festgehalten und in einheitlichem Materiale flott

ausgeführt, hat in der Marquetrie weniger zu bedeuten, als manuelle

Geschicklichkeit und Geduld in der zeitraubenden, nicht mühelosen Ausführung.

 Seinen künstlerischen Beruf erwies Roentgen eben damit, dass _

er nicht bei decorativen Füllungen stehen blieb, wofür ihm der Gräa

cismus nicht genug bieten konnte, sondern sich an große figurale Compositionen

 heranwagte, in denen er mit den Historienmalern seiner Zeit

in Wettkampf trat. Auch darin erwies er sich als berufener Neuerer,

dass er sich die fehlenden technischen Mittel selbst schuf. Die Franzosen

hatten seit hundert Jahren vorwiegend exotische Farbhölzer in Gebrauch;

Brand und Rauch, sowie Gravirung in Verbindung mit einer Art Niellirung

 leisteten das Uebrige. Dies ergab eine Anzahl rother und gelber

Töne; Roentgen brauchte dagegen für seine figuralen Darstellungen eine

Scala heller und dunkler Tinten in Camaieu, die er durch Beizung der

Hölzer zu erreichen suchte. Welche Wirkung er damit zu erzielen wusste,

zeigen am besten die zwei großen lntarsia-Tafeln im Oesterr. Museum.

jede über 3 Meter lang und hoch, mit den zeitgemäßen Darstellungen

Coriolan's und der Sabinerinnen, in gleicher Weise ausgezeichnet durch

breite Behandlung und scharfe Charakteristik,

Von der oben geschilderten ausgebreiteten Fabrication Roentgen's

ist bis jetzt verhältnissmäßig wenig an's Licht gekommen. Die Franzosen

mussten nach England gehen, um seine authentischen Werke zu studiren;

 es findet sich daselbst Mehreres im Privatbesitze, ferner drei Tisch-Chen

 im Kcnsington-Museum, verrnuthlich sämmtlich aus Frankreich
            
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