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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 2)

hundert war das Haar der Frauen und mit ihm die Ohren unter phantastischen

 Kopfbedecknngen verschiedenster Art versteckt, so dass Ohr-.

 ringe nicht gesehen worden wären.

Die Renaissance gestattete zwar bei Frauen ein stellenweises Herverbrechen

 der Haare unter netzförmigen, mit Perlen besetzten Hauben,

aber auch diese Epoche war geneigt, den Kopf mehr zu verhiillen als

zu entblößen, und so sehen wir Ohrgehänge nur vereinzelt auftreten.

Viele gleichzeitige Porträts zeigen selbst bei noch so großer Fülle von

Schmuck keine Ohrgehänge. Ausnahmen davon scheinen jedoch in Italien

vorgekommen zu sein. Diesseits der Alpen ist erst gegen Ende des

16. Jahrhunderts eine Aenderung eingetreten, worauf unter Anderem die

französischen Stiche für Goldschmiede von Woeriot vom Jahre 156i

hinweisen, welche einige Muster von Ohrringen geben. Dagegen war die

Sitte, Ohrringe zu tragen, in Spanien ziemlich allgemein, und zwar bei

Männern wie bei Frauen. Die mannigfachen Beziehungen zwischen

Spanien und Frankreich machen es erklärlich, dass auch hier dieser

Schmuck in einzelnen Fällen Eingang fand, ohne dass iedoch derselbe

in weitere Kreise zu dringen vermocht hätte.

Keine viel größere Verbreitung als die Ohrgehänge hatten im 15. und

16. Jahrhundert die Armbänder. Jene Bracelets, welche zu Ende des 15.

Jahrhunderts von französischen Edelleuten getragen wurden, können nicht

eigentlich als Schmuck angesehen werden, da sie vielmehr als ein Zeichen

der Ergebenheit gegen eine Dame galten und unter den Kleidern versteckt,

 sich neugierigen Blicken entzogen. Erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts

 erscheint das Armband bei Damen. In der Regel ließ die Form

der Aermel einen Schmuck am Arme oder am Handgelenk nicht zu,

denn ob die Aermel ihrer ganzen Länge nach bauschig waren, wie zur

Zeit der Landsknechtmoden, oder ob sie nur an den Schultern und am

Ellbogen sich erweiterten, fast immer bedecken sie das Handgelenk, ja

häufig haben sie hier eine trichterförmige Erweiterung, die über die

halbe Hand hinausreicht. Nur ausnahmsweise sehen wir auf Costümbildern

 glatte, bis zum Handgelenk reichende oder kürzere Aerrnel, in

welchen Fällen, soweit derartige Abbildungen ein Urtheil zulassen, nicht

allzu prunkvolle Armbänder, und zwar in der Regel nicht am bloßen

Arme, sondern über dem Aermel sichtbar werden.

Eine große Verbreitung hatte dagegen der Ring. Besonders auf

kostbare Steine in schöner Fassung wurde bei demselben der größte

Werth gelegt. Die Fassung stand aber ihrerseits in engem Zusammenhange

 mit dem Schliß der Steine. Vor dem 14. Jahrhundert zeigen alle

für die Bijouterie verwendeten Steine den sogenannten mugeligen, halbrunden

 Schliff. Erst von da an beginnt der Tafelschliß" mit vier an den

Ecken abgestumpften Schrägßächen und wird zuerst mit dem Rundschlitf

abwechselnd, dann ausschließlich verwendet. Bis zum Ende des 16. Jahr-
            
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