Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 2)

Vortragende gibt ein möglichst gedrängtes Resume aus den diese erste Gesammtausgabe

begleitenden, von verschiedenen Mitarbeitern herrührenden, auf durchwegs neuen gründlichen

 Forschungen beruhenden Commentaren, als deren Resultat sich Folgendes ergibt:

Kaiser Maximilian l., gleich allen anderen Sprossen seines erlauchten Geschlechtes von

dem Drange nach rastlosem Schalfen erfüllt, daneben durch einen eminent historischen

Sinn ausgezeichnet und den schon im Vaterhause empfangenen, durch seinen wiederholten

 Aufenthalt in den Niederlanden und am prachtliebenden burgundischen Hofe

genahrten künstlerischen Neigungen folgend, trägt nur dem der Renaissance eigenthümliehen

 Zuge nach naiver Selbstverherrlichung Rechnung, wenn er es unternimmt, zur

Gloriücation seiner selbst und seines Geschlechtes einen Cyklus von illustrirten Prachtwerken

 zu schaffen, um so den Zeitgenossen und der Nachwelt seine und seines Hauses

glorreiche Geschichte in Wort und Bild vorzuführen.

Die Texte, welche bei den meisten dieser Werke als Hauptsache gelten und blos

beim Triumphzug und der Ehrenpforte von Vorneherein nur die unumgänglich nothige

Einleitung und Erklärung zu den Holzschnitten bilden sollten, sind zumeist das Werk

gelehrter oder doch nach damaligen Zeitbegrilfen hochgebildeter Männer aus der Umgebung

 des Kaisers, die ihm als Secrerare oder Historiographen dienten. So arbeitet in

den Jahren 1;1z-1517 Dr. Johann Stabius an dem Programm und den erklärenden Versen

zur -Ehrenpforten, betheiligt sich gleichzeitig an Marx Trei1zsauerwein's literarischen

Vorarbeiten zum nTriumphzug- und polemisirt erfolgreich gegen die Forschungsresultate

Dr. Jacob Mennefs, der im Jahre 1505 von Maximilian mit der Aufhellung der Geschichte

seines Geschlechtes und der Aufstellung seiner Ahnenreihe bis auf Hector von Troja

betraut wurde und demselben im Jahre 1518 als Frucht Jahre langer Arbeit ein umfangreiches

 Werk unter dem Titel: nKaiser Maximilian's fürstliche Chronik, genannt Geburtsspiegeln

 überreichen konnte. Die darin niedergelegten Ergebnisse bilden die Grundlage

 für die schon 151o vollendete l-lolzschnittfolge der aGenealogier Maximilians und

das vier Jahre später in Angriff genommene Buch über nDie Heiligen aus der Sipp-,

Mag- und Schwagerschaft des Kaisers-n Die Autobiographie Maximilians, ursprünglich

als einheitliche Publication geplant und erst später in der Weise getheilt, dass der

vFreidal-i die ritterliche Minnefahrt um Maria von Burgund, der ffheuerdankt die Brautfahrt

 und der i-Weißkunigu das politische Leben des Kaisers schildern sollte, beruht zumeist

 auf uns- bruchstücltweise noch erhaltenen Originalaufzeichnungen und Dictaten

dieses Fürsten, deren Zusammenstellung. Copirung und theilweise Versificirung derselbe

den unter seiner Aufsicht thatigen Mitarbeitern überließ. ln diesem Sinne stammt das

allen späteren Drucken zu Grunde liegende, in Folge mannigfacher Missverständnisse

ziemlich confuse, im Jahre 1514 vollendete Manuscript zum WeiBkunig aus der Feder

des kaiserlichen Geheimschreibers Marx Treitzsauerwein, der kurz vorher nach ihm zur

Verfügung gestellten Vorarbeiten des kaiserlichen Silberkammerers Sigmund von Dietrichstein

 und Anderer auch eine Theuerdank-Redaction vollendete, welche unzweifelhaft

dem mit der endgiltigen Abfassung des Gedichtes betrauten Propst Melchior Püntzing von

St. Sebald zu Nürnberg vorlag. Der Theuerdank, zuerst im Jahre 1517 im Drucke erschienen,

 ist zugleich das einzige seiner Werke, dessen Vollendung der Kaiser erlebte.

Die bisher genannten, auf streng historischer und realer Grundlage ruhenden Werke,

von denen die Genealogie und die Heiligen die Geschichte von des Kaisers Geschlecht,

der Freidal, Theuerdank und Weißkunig die Geschichte seiner selbst behandeln, finden

ihre großartige figurale und allegorische Zusammenfassung in der Ehrenpforte und dem

Triumphzug. Den kühnen Entwurf sowie die Zeichnungen zu den hcrvorragendsten und

schwierigsten Partien der Ersteren lieferte Albrecht Dürer selbst, während er sich für

die Anfertigung eines großen Theiles der übrigen Zeichnungen der Mithilfe seines Bruders

 Hans bediente und 16 derselben von dem Nürnberger Meister Wolf Traut herrühren.

 Auch 24 Blatter des Triumphzuges sind entweder von Dürer selbst gezeichnet

oder doch von ihm wesentlich beeinflusst. Von den übrigen Blättern des Triumphzuges

gehoren 45 zwei unbekannten Künstlern, z Hans Schaufelein, endlich 66 Hans Burgkrnair

 an, welcher schon im Jahre 1510 seine 77 phantasievollen Zeichnungen für die Genealogie

 und 13 für den Theuerdank vollendet hatte, die alle einen gleich hohen künstlerischen

 Werth haben wie seine Zeichnungen für den Weißkunig, von denen 109 Blatter

sein Monogramm tragen, weitere 14 aus stilistischen Gründen mit voller Sicherheit ihm

zugeschrieben werden müssen. Auch die wenigen Holzschnitte, die uns vom Freidal erhalten

sind -- nur 5 an der Zahl - weisen in ihrer Composition auf Burgkmair hin. Ihm

an Fruchtbarkeit gleichstehend, wenn auch an künstlerischer Vollendung bei Weitem

nicht an ihn hinanreichend ist der Augsburger Meister Leonhard Beck, welcher in den

Jahren 1514-1518 die Holzschnittfolge der Heiligen vollendete, auch 77 Blätter für den

Theuerdank und 116 für den Weißltunig zeichnete, welche in der Richtigkeit der Zeichnung

 und Sorgfalt der Ausführung sehr ungleichmäßig gerathen sind. Von Hans Schaufelein

 rühren zo Blatter des Theuerdank und a. für den Weißkunig her, die sammrlich
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.