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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 6)

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selbe aufstrebende, in die Hohe dringende Tendenz, die auf beiden Gebieten jetzt äußerlich

übereinstimmend zu Tage tritt, worauf im Zeitalter des Humanismus ein Zurücltgehen

auf die spate Antike und das frühere Mittelalter erfolgt. Nicht minder gleichmäßig lußern

sich die Renaissancen des 17. und 18. Jahrhunderts in Schrift und Kunst. Die moderne

Zeit endlich, die alle verflossenen Stilarten kennt und übt, erweist sich ebenso virtuos

im Gebrauche aller Buchstabenformen von der Capitale bis zur gothischen Majuskel.

- Den Cyklus der Vorlesungen schloss Custosadjunct Dr. Karl Masner mit dem

Thema: nDie Sammlung antiker Vasen im Oesterr. Museums.

Nachdem der Vortragende die Geschichte der Sammlung sltizzirt und den Werth

derselben hervorgehoben hatte, führte er die bedeutendsten Stücke in historischer Ordnung

vor. Zuerst wurde die alteste Periode griechischer Keramik an mehreren Gefaßen des

Dipylonstiles charakterisirt, dann wurden folgende fünf Vasengattungen der archaischen

Zeit besprochen: t. Die korinthische, z. die Gattung der Rothwaare, 3. die kyrenaische,

4. die sogenannte Caeretaner Gattung, für die ionischer Ursprung in Anspruch genommen

wurde, 5. die attische. Bevor der Vortragende zu den Gefäßen des rothügurigen Stiles

überging, entwickelte er die Entstehung der rothiigurigen Technik aus der schwarzfigurigen

 und legte dar, dass dieselbe sich auf der Schale ausgebildet habe. Die Geschichte

dieser Gefäßgattung wurde verfolgt bis zur Blüthezeit; als eine typische Musterleistung

derselben wurde die Schale des Duris mit der Darstellung des Watfenstreites vorgeführt,

im Anschlusse daran der Skyphos mit der Losung des Hectors. Zum Schlusse wurde

noch ein Gefäß mit Goldschmuck und der bekannte polychrome Lekythos behandelt.

E1116 Gedenktafel für R. v. Eitelberger, gewidmet von einem

Kreise seiner Freunde und unter den Arcaden des Universitätsgebäudes

in die Wand eingelassen, wurde am 30. Mai in das Eigenthum der Universität

 übergeben. Sie zeigt das Bild des Gefeierten. modellirt von Professor

 v. Zumbusch und in Bronzeguss ausgeführt von Pönninger. Professor

Wickhotf hielt die Ansprache an den Rector magnificus, in welcher er

daran erinnerte, dass Eitelberger im Verein mit Gustav Heider zuerst

eine wissenschaftliche Beschreibung der Kunstdenkmäler Oesterreichs

unternommen, die Errichtung eines Lehrstuhles für Kunstgeschichte an

der Wiener Universität, der ersten auf deutschem Boden, durchgesetzt,

und durch die Gründung des Oesterr. Museums, die Herausgabe der

Quellenschriften etc. sich unvergängliche Verdienste erworben habe, und

dann Eitelberger als stets anregenden Lehrer charakterisirte. Hofrath

von Lang als Rector gedachte in seinen Dankworten Eitelbergefs als

Collagen. Außer den Verwandten und näheren Freunden des Verblichenen

wohnten Ministerialrath Graf Latour, mehrere Universitätsprofessoren,

Angehörige des Oesterr. Museums und der Akademie der Künste der

einfachen Feier bei.

Literatur - Bericht.

Naborre Campanini: Ars siricea Regii; vicende dell' arte della seta in

Reggio nell' Emilia dal secolo XVl a1 secolo XIX. Reggio nell" Emilia,

stab. tipu-litografico degli artigianelli 1888. 4". 344 S. 7 Taf.

Wir wissen, dass im 15. Jahrh. die Seidenweberei in Oberitalien großen Aufschwung

 nahm, dass im darauf folgenden Jahrhundert fast jede größere Stadt daselbst

eine mehr oder minder namhafte Seidenindustrie betrieb, dass aber im I7. Jahrh. parallel

mit dem siegreichen Vordringen der lyonesischen Concurrenz ein Rückgang der italienischen

 Fabrieation eingetreten sein muss, der im Laufe des tB. Jahrhs. an den meisten

Orten mit völligem Erlöschen endete. Die naheren Umstande, unter denen sich dieser

Process in Reggio, dem Hauptorte der Emilia, vollzog, lernen wir durch das vorliegende

Buch kennen, und dieselben Ursachen des Aufschwungs und des Verfalls werden wohl

für die oberitalieniacbe Seidenweberei überhaupt zu gelten haben. Ihre Gründung verdankte

 sie in Reggio ebenso wie in Mailand und anderweitig der Speeulation der herrsehenden

 Dynastie, in unserem Falle unmittelbar der Lucrezia Borgia, die zu dem

Zwecke im I. 150a einen genueaiachen Seidenweber der Commune empfahl. Da wegen
            
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