Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 6)

395

Vorbildersammlung für Alle, die dem Kunsthandwerke nahe stehen, vergnüglich

 zu betrachten für Jedermann.

4. Die ägyptischen Textilfunde im k. k. Oesterr. Museum. Allgemeine

Charakteristik und Katalog von Alois Riegl. Mit I3 Taf. in Lichtdruck.

 Verlag von R. v. Waldheim. 4".

Auch dieses Werk ist eine schöne und sehr gelungene Festgabe,

zur rechten Zeit erschienen, ehe die durch Graf's Funde eingeleitete Bewegung

 zurückzugeben beginnt. Der Hauptstock des dem Museum gehörigen

 Besitzes wird durch die aus einem Leichenfelde nächst Sakkarah

von Theodor Graf gewonnenen Textilfunde gebildet, aber auch von der

durch Dr. Bock zu Akhmim gemachten Ausbeute ist Einiges, und darunter

 manch hochinteressantes Stück, nach Wien gelangt. Schon zu

Anfang des Jahrhunderts kamen vereinzelte altägyptische Textilfragmente

nach Europa, sie fanden aber entweder nicht die genügende Beachtung,

oder man war rasch geneigt, sie in die pharaonische Zeit zurück zu versetzen,

 ohne dies mit stilistischen Gründen irgend rechtfertigen zu können.

Erst die Graf'schen Funde, welche in Karabacek einen aufmerksamen

und gelehrten Erklärer erhielten, haben der Untersuchung festere Anhaltspunkte

 gegeben, von denen aus in der vorliegenden Arbeit RiegYs

auf Grund eindringender technischer und stilistischer Prüfung im Zusammenhange

 mit den Funden von Akhmiru sehr interessante Ergebnisse

zu Tage gefördert werden. Ludwig und Wiesner haben hier durch Untersuchung

 der Faser- und Farbstoffe den Verfasser sehr wesentlich in

seiner Arbeit unterstützt. Riegl bespricht in der Einleitung den ehemaligen

 Gebrauchszweck der Funde, dann den verwendeten Rohstoff

(Leinen und Schafwolle, an zwei Zeugdrucken Baumwolle, Seide nur als

Einschlag zur Einwebung von Bordürestreifen); er sucht die Farbstoffe

zu bestimmen und widmet im weiteren Verlaufe der Technik eingehende

Untersuchung. Die Weberei tritt überwiegend hervor, die Leinwandbindung

 spielt die wichtigste Rolle, aber auch freie Bindungen zur" Herstellung

 einfacher, meist geometrischer oder stark stilisirter Muster waren

der Weberei geläufig, man findet lancirten Schuss (Tafel Vl) und Broschirung

 (Tafel VIl). Die Verzierungen der Leinen- und Wollgewebe

sind zumeist gewirkt und zwar auf der höchsten Stufe der Ausbildung.

Dagegen tritt die Stickerei völlig zurück; einige Sticharten erscheinen

freilich nicht nur zum praktischen Zwecke der Näberei, sondern auch

in der Absicht zu schmücken gehandhabt, lnschriften werden in kurzen

Plattstichen eingefügt. Doch liegen wirkliche Stickereien vor, eine stark

stilisirte Stielsticharbeit und eine andere, welche das deutliche Bestreben

zeigt, ein Relief hervorzubringen. Riegl zieht den Schluss, dass die Textilkunst

 des classischen Alterthums die Stickerei im Allgemeinen nur heranzog,

 wenn es galt, ein gewisses Relief auf dem zu verzierenden Grunde

zu erzeugen. Von hohem geschichtlichen Interesse ist eine antike Silber-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.