die Forderungen, welche ausnahmslos an jedes Wappenbild zu stellen
waren.
Die Figuren mussten unter allen Umständen l. als solchemöglichst
deutlich erkennbar sein; 2. ohne besondere Abänderung ihrer Umrisse
sich für die Ausführung in jedweder Technik in gleicher Weise eignen;
3. den ästhetischen Forderungen der Symmetrie, beziehungsweise der
Raumvertheilung möglichst vollkommen entsprechen. In der Umformung
der Vorbilder zu gedachtem Zwecke bestand das heraldische Stilisiren.
Zur Erzielung einer deutlichen, sich vom Grunde scharf abhebenden
Silhouette mussten die Verhältnisse und Umrisse eine Veränderung
erleiden, welche sehr oft die Wappenl-igur fast zu einem das
Urbild nur symbolisirend andeutenden Ornamente gestalteten. So war es
z. B. in ausgesprochener Weise beim heraldischen Adler und beim heraldischen
Löwen, den beiden ohne Zweifel am häufigsten verwendeten
Wappenthieren, der Fall. Sie kamen damit in einen gewissen Einklang
mit den gleichzeitig in Gebrauch genommenen phantastischen Greifen,
Drachen, den Meerweibern und Jungfernadlern etc. Bei Bäumen, wie
Linden, Eichen u. s. w., wurde die zur Deutlichkeit nothwendige Vermeidung
aller kleinen und kleinlichen, gehäuften Formen so weit getrieben,
dass das höchst einfache Geäste des Hauptstarumes nur einige
wenige, dafür aber mächtig entwickelte Blätter zeigte, zum ornamentalen
Rankenwerke gefügt, gleichwie die in ähnlicher Vereinfachung behandelten
Baumwurzeln. So wie bei jeglichem, die bestimmt begrenzte
Fläche füllendem Ornament die großen Züge der Hauplinien vor allem
Anderen festgesetzt sein müssen, ehe die ausstaltenden Einzelnheiten,
Blüthen, Blattwerk u. s. w. hinzugefügt und durchgebildet werden
können, so bedurfte es auch beim Entwerfen heraldischer ThierbildeT
vor Allem der Festsetzung einfacher Gerippformen, welchen dann in harmonischer
Massenvertheilung Leib und Glieder der Thiere angefügt
werden konnten. Dies gilt hauptsächlich von den typischen Figuren der
Adler, Löwen, Greifen und Panther. Ein paar Beispiele mögen das Gesagte
erläutern.
Da die Wappenfiguren, was ihre Hauptanordnung betrißt, in Bezug
auf die Raumvertheilung von der Schildform abhängig sind, so kann
nicht vermieden werden, von dieser letzteren ausgehend solche Figuren
zu besprechen. Auf der langgestreckten, unten sich zuspitzenden Schildform,
wie sie im 12. Jahrhundert vorzukommen pflegte, ward bei Anbringung
einer Löwenfigur so viel von der Hauptmasse, als nur immer
angehen mochte, in die Mittellinie, die Achse des Schildes gelegt (Fig. 19),
Kopf, Rumpf und einer der Hinterfüße (der dem Beschauer zugewendete).
Rechts und links musste nun der Raum klug benützt und mit den
übrigen Theilen des Thieres, ohne merkliche Zusammendrängung, aber
auch ohne störende kahle Stellen des Feldes, belegt werden. Die beiden
Vorderfüße wurden zu dem Ende mehr oder weniger schräg aufwärts