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zeitig scheint eine Veränderung mit dem Charakter der Wanddecoration
vor sich zu gehen, denn während früher die Wände durchaus dunkel
gehalten waren, besonders in Roth und Grün, sehen wir jetzt durchweg
licht gehaltene Tapeten, bei denen Grund und Ornament in ihrer Haltung
sich wenig von einander scheiden. Selbstverständlich muss auch
das Sitzmöbel mit hellerer Stimmung folgen; es ist aber nur sehr Weniges
vorhanden, welches allerdings diesen Schluss bestätigt.
Für die englische Kunstindustrie ist es vielleicht von Vortheil, dass
sie keine nennenswerthe Vergangenheit hat; sie ist daher freier von Nachahmung
und kann unbefangener den Weg einer ganz rationellen Reform
betreten, auf welchem sie uns ja auch vorangegangen ist. Alle anderen
Staaten mit einer großen Kunstvergangenheit oder auch nur einzelnen
ehemals blühenden Kunstzweigen sind immer in dem Bestreben befangen,
diese Kunstzweige wieder zu erneuern. Das macht ihnen einerseits wohl
die Sache leichter, andererseits aber wird es ihnen um so schwerer, zu
einer gewissen Originalität zu gelangen. Dies gilt vor Allem von ltalien,
das ja eine reiche Kunstgeschichte und eine Fülle einst blühender Kunstzweige
geschaEen hat. Es hat den Goldschmuck der antiken classischen
Zeit, die Majoliken des sechzehnten, die Porzellane des achtzehnten Jahrhunderts,
die geschnitzten sowie die mit lntarsia verzierten Möbel der
Renaissance, die alten Bronzen, die antiken und die venetianischen Glasarbeiten
- ltalien hat das Alles wieder erneuert, zu neuer Blüthe gebracht
und ihm doch nicht zur Originalität verholfen. Es hat wohl die
Vorbilder erweitert, aber nicht neue Arten geschaffen. So liegt eine Erweiterung
in der Uebertragung der Majolika- oder Luca della Robbia-Ornamentation
auf kleine Plastik in farbigem glasirten Thon. Zahlreiche
Figuren und Gruppen, meist aus dem Volksleben gegriffen, von überaus
drastischer, selbst carrikirter Gestaltung, zeigen, dass dieses Genre sehr
populär geworden ist, aber es ist auch populär in der schlimmen Bedeutung
des Wortes. Man wird einen Moment durch die Geschicklichkeit
der Arbeit und die Lebendigkeit der Figuren gefesselt, um sich sofort
von der ganzen unedlen Art wieder abzuwenden. Es ist das Seilenstück
zu den genrehaften Marmorfiguren der Italiener, die zu Dutzenden auf
allen Ausstellungen zu sehen sind, nur noch auf viel tieferer Stufe des
Geschmackes stehend. Ganz das Gleiche geschieht jetzt mit den Bronzestatuetten,
welche ebenso diese Richtung auf das Drastiscli-Komische eingeschlagen
haben und damit nach modernster Popularität bei der Menge
haschen.
Wie ltalien seine Majoliken, so hat Holland jetzt seine Faiencekunst
wieder aufgenommen. Die blauweißen Faiencen von Delft haben
im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert sich und ihre Stadt durch
die ganze Welt berühmt gemacht. Entstanden in Nachahmung chinesischen
und japanischen Porzellans. waren sie doch zu voller Originalität
gelangt und wurden ihrerseits wieder in den Porzellanfabriken