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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 12)

jener ostasiatischen Länder nachgeahmt. Trotz dieses Ruhmes ging gegen

Ende des vorigen Jahrhunderts die ganze Fabrication in Delft wieder zu

Grunde, und nur das englische ordinäre Geschirr behielt den Namen.

Bei der modernen Reform der Kunstindustrie konnte es aber nicht ausbleiben,

 dass auch die Delfter Kunstfaiencen wieder versucht wurden.

Es geschah an verschiedenen Orten, in verschiedenen Ländern, und nun

endlich-zuletzt-ist es auch in der Stadt Delft selber geschehen, und

mit großem Glück. Die niederländische Abtheilung zeigt in reicher Fülle

solche Faiencen mit blauer Verzierung auf milchweißer Glasur, Gefäße,

Teller, Schüsseln, Vasen, Gemälde aus einer Platte oder aus mehreren

zusamengesetzt, mit ornamentalen, landschaftlichen und figürlichen Darstellungen,

 Alles gleich vortrefflich. Die Firma trägt den Namen Joost

Tooft und Labouchere in Delft. _

Minder glücklich erscheint der dänische Versuch eines sonst geschickten

 Malers, die blauweißen Delfter Faiencen in Porzellan nachzuahmen.

 Die Gegenstände, virtuos als Malereien, sind kalt in der Wirkung.

Unglücklicher noch sind belgische Versuche, das Genre der Faiencen zu

erweitern, indem die buntbemalte Glasur perlartig wie mit Sand bestreut

und dadurch rauh gemacht wird, oder indem man der Oberfläche den

Schein gibt, als sei sie mit einem gewebten Stoffe überzogen. Weder

Engländer noch Franzosen haben sich auf dergleichen lrrthümer und

Absonderlichkeiten eingelassen.

ln einem Irrthum anderer Art befindet sich die berühmte Goldund

 Silberwaarenfabrik von TilTany in New-York, indem sie mit großer

Energie in die Nachahmung und Benützung japanischer Kunstweisen eingegangen

 ist. Schon auf der Pariser Ausstellung von 1878 erregte sie

dadurch die Aufmerksamkeit; die Arbeiten erschienen originell, hielten

sich aber in bescheidenen Grenzen. Diesmal ist die Fabrik viel weiter

gegangen. Es sind nicht blos die Eigenthürnlichkeiten der japanischen

Metalltechnik verwendet, was man sich ja gerne gefallen lässt: es ist

auch der ganze Formengeschmack, die ganze Decorationsweise mit ihrer

Bizarrerie in großen Reihen von Silbergefäßen dargestellt, die alle bestimmt

 sind, unserem modernen Gebrauche auf dem Speisetisch und auf

dem Theetisch zu dienen. Diese Gefäße aber, welche gerade in der Seltsamkeit

 der alten japanischen Formen das Wesen suchen, zeigen so recht,

wie überaus verkehrt der eingeschlagene Weg ist. Europäisches Kunstund

 Formengefühl und japanische Kunstart sind solche Gegensätze, sind

so grundverschieden, dass sie sich nie vereinigen lassen, nie Eines das

Andere ersetzen werden. Wir können ihre originellen, immer nett und

sauber ausgeführten Arbeiten lieben und schätzen, wir können mancherlei

 von den Japanern lernen, aber ihre Art in unsere Art einführen,

etwa gar, wie man gesagt hat, europäische Kunst durch japanische Kunst

erfrischen wollen, ist das Verkehrteste, was man thun kann. Was wir

thun in dieser Richtung, wird nur ein Spiel der Mode sein und bleiben.
            
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