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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 12)

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stände der Kunstindustrie nach Frankreich - das Alles ist nicht in

Abrede zu stellen, und dennoch sollte die Ausstellung zeigen, dass Frankreich

 trotz alledem und alledem seine hohe, seine erste, seine führende

Rolle in allen Dingen des Gewerbes, wo Geschmack und Kunst in Frage

stehen, siegreich behauptet hat.

Ist das der Fall? Ist der Beweis durch diese Ausstellung geliefert?

Wir beantworten die Frage dahin: Die erste Stelle, ja; die führende

Rolle, nein! Die Ausstellung beweist unlcugbar, und würde es auch

beweisen, wenn die Lücken nicht vorhanden wären, dass Frankreich an

Größe, Mannigfaltigkeit, Ausdehnung und Reichthum seiner Kunstindustrie

durchaus obenan steht; kein anderes Land kann sich darin mit ihm vergleichen.

 Aber die Leitung des Geschmacks, die Führung in der Kunstindustrie,

 welche es seit zwei Jahrhunderten unbestritten in Händen hatte,

die existirt nicht mehr. Alle Länder, jetzt ausnahmslos, bringen ihr

Eigenes zur Ausstellung, wenn auch nach der Erfindung nicht Alles ihr

Eigen ist. Russland ist in seinen Gold- und Silberarbeiten, in seiner verzierten

 Leinwand, in seinen prachtvollen Brocatstoifen und anderen Dingen

ganz unabhängig vorn französischen Geschmack, die englische Industrie

geht in allen Zweigen ihren eigenen Weg; das, womit Italien Erfolge

erringt, sein venetianisches Glas, seine Majoliken, seine Möbel, seine

Bronzen, seine Schmuckarbeiten, seine Mosaiken, ist Alles rein italienisch

und hndet selbst Nachahmung in Frankreich. Die deutsche Kunstindustrie

- ob wir sie nun hoch oder niedrig stellen - hat mit Erfolg um ihre

Unabhängigkeit gekämpft, und dass wir heute eine österreichische Kunstindustrie

 haben, welche überall in der Fremde als österreichisch erkannt

und anerkannt wird, brauche ich nur zu erwähnen. Selbst die kleineren

Staaten, die Nachbarn Frankreichs, die industriell zu seiner Gefolgschaft

gehörten, Belgien, Holland, die Schweiz, sodann der skandinavische

Norden, Dänemark, Schweden, Norwegen, sie glänzen auf den Ausstellungen

 vorzugsweise mit dem, was ihr Eigen ist.

Und trotzdem stehen wir heute noch immer bewundernd vor der

französischen Kunstindustrie und räumen ihr, gerne oder ungerne, die

erste Stelle ein, so sehr wir auch ihre Führerrolle bekämpfen.

Ich gestehe, ich bin mit nicht allzu schmeichelhaften Erwartungen

für die französische Kunstindustrie nach Paris gekommen. Ich erwartete,

im Eifer recht zu imponiren eine Fülle forcirter Leistungen nach dem

Muster des EiEelthnrmes auch in der Industrie zu finden, eine Fülle von

Absonderlichkeiten und Bizarrerien und Uebertreibungen, von denen der

französische Geschmack auf allen Ausstellungen Proben zu zeigen pflegte.

Ich fand sie nicht, oder nur ganz vereinzelt in verhältnissmäßiger Bescheidenheit,

 vielmehr fand ich Maß und feines Urtheil bei allem Reichthum

 der Gegenstände mehr als jemals; ich fand den französischen Geschmack

 verbessert statt verschlechtert.
            
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