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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 10)

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Leistungen hervorgebracht habe. Auf Grund dieser wEntdeckung-i waren,

oder, zum Theil richtiger gesagt, wären die Bestände unserer Textilsammlungen,

 welche sicherlich so manches Stück spanischen Ursprungs

unter italienischer und niederländischer Flagge segeln lassen, einer Revision

 zu unterziehen, die gewiss interessante Belege für den Entwicklungsgang

 der spanischen Webekunst zu Tage fördern würde; doch ist

dies immerhin ein nicht allzu leichtes Beginnen, da wir bis heute noch

weit davon entfernt sind, wenn auch nur in wenigen markanten Exemplaren

 die verschiedentlichen charakteristischen Stilstadien zu kennen,

die die Textilkunst Spaniens von der Vertreibung der Mauren bis zur

Zeit des allgemeinen Niederganges der europäischen Kuntstweberei durchmessen

 hat. Um so willkommener müssen uns daher spanische Steife sein,

deren Datirung nicht, wie dies bei Producten der Textilkunst ja meist

der Fall zu sein hat, lediglich auf Grund stilkritischer Prüfung ihrer

Ornamentik zu erfolgen braucht, sondern die in bestimmten Details ihres

Decors die untriiglichsten Anhaltspunkte für eine vollkommen sichere

und genaue Datirung an sich tragen.

Ein Muster solch' eines Stoffes besitzt das k. k. Oesterr. Museum

für Kunst und lndustrie in dem nebenstehend abgebildeten Silberbrocat

von zweifellos spanischer Provenienzl), dessen ganzer ornamentaler Ductus

die etwaige Annahme eines niederländischen oder italienischen Ursprungs

sicherlich ausschließen dürfte.

Das ziemlich starke Gewebe, dessen vorliegendes Muster eine Größe

von 31 zu ig Centimetern hat, weist über weißseidenem, ripsartig gebundenem

 Gtunde, im Schusse, stark flottliegende (und daher heute zum

größten Theil ahgenützte) Silherfäden auf, von denen sich das in broschirten

 bunten Seiden- und Goldfäden ') mit außerordentlicher Feinheit

gewebte Muster kräftig abhebt. Dieses besteht aus einem dicht und völlig

gleichmäßig vertheilten, ziemlich kleinen Streudecor, das in horizontaler

und verticaler Reihe abwechselnd ein pflanzliches ') und ein heraldisches

Motiv zeigt, so dass sowohl die ersteren als die letzteren gleichmäßige

Diagonalstreifen bilden; der Rapport tritt, dem Schusse wie der Kette

nach, jedesmal mit dem vierten Motiv ein.

1) lch berufe mich hier auf dss bewährte Urtheil eines ausgezeichneten Kenners,

des Directors des königl. Kunstgewerbe-Museums in Berlin, Geh. Regierungsrnths Prnf.

Dr. J. Lessing. _

9) Während die Goldfäden aus umsponnenen Seidenflden bestehen, sind die Silberfüden

 des Fonds nur dünngezogene Silberdrähtc. - Die Färbung des Musters bleibt im

Rapport nicht dieselbe, sondern wechselt ab; so ist der Dessin der oberen Partie unseres

Musters vornehmlich in gelben und rothen Tönen gehalten, wihrend bei seiner Wieder-'

 holung im unteren Theil unseres Musters eine hlaugrüne Färbung vorwiegt.

3) Die vegetsbilischen Motive sind zumeist ziemlich naturalistisch gezeichnet;

vergl. z. B. das Eichenluub, den Birnzweig, den Granstzweig etc. Dieser letztere hat

hier, nach dem Plntz, den er im Dessin einnimmt, zu schließen, wohl lnum die Bedeutung

 des Wlppenbildes von Grennds.
            
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