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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 10)

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später erst wieder in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, und zwar

diesmal nahezu alleinherrschend, auftritt, nach kurzer Zeit fast gänzlich

wieder aufgegeben und an seiner Stelle das große, spätmittelalterliche

Granatapfelmuster (allerdings in mannigfach veränderter und sich oft nur

mehr einzig an das äußere Schema desselben haltenden Form, z. B. im

sogen. Spitzenrnuster des 17. Jahrhs.) neuerdings zu Ehren gebracht").

Den stricten, sozusagen documentarischen Beweis aber. dass unser

Brocat der ersten Zeit der Regierung Philipp ll. entstamme, liefert das

zweite Monogramm.

Die Entzifferung dieses Monogrammes bot einige Schwierigkeit, zumal

es sich merkwürdigerweise auf keiner einzigen Münze Spaniens und der

von der spanischen Krone abhängigen Länder finden ließ; da es aber

keinem Zweifel unterliegen konnte, dass der Name wCarolusl (Carl V.) darin

enthalten sei, das Münzrnonogramm Carl V. sich aber als vollkommen anders

 gestaltetes erwies, lag die Vermuthung nahe, dass das fragliche Monogramm

 unseres Stoies sich, wie das erste, auf Philipp ll. beziehe und

C   "), d. h. i-CAROLI F(tl.rus)u zu lesen sei, eine

Annahme, die einige Berechtigung zu haben schien, da es sich feststellen

lässt, dass Philipp ll., namentlich im Anfange seiner Regierung, auf



5) Hier dürfte ein Vergleich unseres Steife: mit einem anderen, ungefähr vierzig

Jahre jüngeren spanischen, ebenfalls mit den obgennnnten Wappenbildern und dem

IPhilJPPUSC-MOHDETBHIITI verzierten Silberbrocete um Platze sein, den ein von Pantoje

dc la Cruz gemaltes, jetzt in einem _Privatsalon des Buckingham-Paluce in London befindliches

 Porträt der damals im jugendlichsten Alter stehenden Gemahlin König Philipp lll.

von Spanien, der Erzherzogin Margarethe von Oesterreich-Steiermark, darstellt, und dessen

genaue Beschreibung ich der außerordentlichen Liebenswürdigkeit des Surveyor of Her

Majestfs Pictures, Sir Charles Robinson in London, verdanke. Dieser in seinen hernldischen

 Motiven dem unseren völlig gleiche Stoff weist In Stelle des kleinen Streublumendecors

 ein umflngreiches Kronen-Granatapfelmuster auf, das durch seine dominirende

Große die auf unserem Brocat dem pllenzlichen Decor nehezu gleichwerthigen Embleme

zu unscheinbaren Accessorien herabdrßckt. - Monogramme luf den Kleiderstolfen eingewebt

 zu tragen, scheint im 16. Jahrhundert eine (vielleicht mit den mit Nnmenutlgen

geschmückten nTirazl-Stoßen der Mauren zusntnmenhlngende i) allnbliche Sitte der Damen

der spanischen Königsfamilie gewesen zu sein; so ist, wie mir Professor Dr. Kerl Justi

in Bonn mitzutheilen die Güte hatte, beispielsweise auf einem in der Galerie zu Petworth

hnngenden Bildniss der zweiten Tochter Philipp lL, Cstarinl Micaell, der Gemahlin

Ctrl Emauuels von Savoyen, der Stoß des Kleides der Herzogin mit verschlungenen C

gemustert. Die Gepüogenheit, am Brustlatz Monogramrnbuchsteben in Gold und Perlen

gestickt zu tragen, war in der Frauentrucht der Reneissence allgemein verbreitet; vergl.

z. B. das bereits genannte Kleid der Kaiserin Maria Blnnce bei Falke, oder des bei

Luthmer (nGold und Silbern, Seite 99) reproducirte nßrustbild einer bayerischen Herzogin

 im Nationulmuseum zu Münchens.

7) Bezüglich des eingeschncbtelten kleinen l. unseres Monogrnmrnen ist zu bemerken,

 dass derartige Einschachleluugen kleiner Buchstaben, wie zahlreiche Beispiele,

namentlich in Bilderinschriften, bestltigen, in der spanischen Lupidarschrift des I6. und

t7. Jahrhunderts allgemein gebräuchlich waren.
            
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