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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 5)

zu üben. Es ist nicht richtig, etwa während der Völkerwanderung von

"einer völligen Unterbrechung künstlerischer Thätigkeit zu sprechen. Nur

dass manche barbarische Formen eindrangen , nur dass die aus den

Barbaren sich heranbildenden Künstler nicht allein eine schwere, ungefüge

 Hand, sondern auch ein blödes Auge haben, das die wahre

Schönheit eben nicht sieht. Aber was selbst sie erzeugen wollen, ist doch

wieder nur das Abbild jener antiken Formen, die ihnen überall vor Augen

sind: die Tradition der Antike, die sogar noch hie und da "in ausübenden,

den unterdrückten Nationen angehörenden Künstlern fortlebt und sich weitervererbt;

 die Tradition der Antike wunderlich umrankt und gepaart mit

dem Urweltszopfgeflechte der Barbaren aller Völker: das ist die Kunst

während und noch lange nach der Völkerwanderung"). Noch existirte das

römische Reich, da waren diese Elemente an den äußersten Grenzen des

Reiches, in Britannien, an den Grenzen Germaniens schon combinirt. Mit

den "schottischen-t Missionaren kam diese Verbindung barbarischen und

antiken Geschmacks nach dern Innern Deutschlands, wurde in Klöstern

und Domschulen gepflegt. Entsetzliche Formen entstanden. Erträglich wird

die Combination, wenn die Nachahmung der Antike mit mehr oder

weniger Bewusstsein vorwiegt. Und das geschah doch zunächst in jenen

Gegenden, wo lange genug die Römer selbst eine höhere Cultur gepliegt

hatten. Kein Wunder, wenn in der Maasgegend, in einem Kloster Alteneyck,

 noch vor Karl d. Gr. eine Handschrift von zwei Nonnen mit

Zeichnungen ausgestattet wird; ihre Namen sind Hernlindis und Renildis:

die eine der Künstlerinnen vertritt die Richtung des alten barbarischen

Schlinggeliechtes und Schlangengeschlechtes, die andere stellt neben dieses

reinere Formen nach antiken Mustern. Beissel, der in den Stimmen aus

Matia-Laach i89o, S. 337, dieses Beispiel anführt, hat den Codex, der jetzt

in Maeseycks sich befindet, gesehen. Sollte diese Mischung barbarischen

Geschmacks und antikisirender Nachahmung wirklich künstlerischen Werth

erhalten, dann musste das Geliechtwerk und das Drachengewübl dorthin

gebannt werden, wohin es gehört, es musste die autike Tradition gekräftigt,

 von jenem Gewühle losgelöst werden, es musste das Gefühl für

die Feinheit der Zeichnung, des Colorites, der Harmonie in der Composition

geweckt und gehoben, es mussten die alten Techniken vervollkommnet,

neue herbeigeholt werden. Dazu genügten nicht die Vorbilder, weder die

alten, noch die neuen aus fremden Landen herbeiströmenden"): dazu

bedurfte es der Lehrer. Und das waren die aus den romanischen Landen

') Vgl. E. Münu, Etudes iconographiques et areheologiqucs sur le moyen-äge,

Paris 1887.'Letz;e Abhnndl.

"') Das zeigt die Apokalypse, welche nach Lamprechr (lnilialornamentik des 8. bis

13. Jahrhunderts, S. 26) von einem ahgclsachsischen Maler illustrirt wurde, aber nach

Janilschek (Gesch. der Malerei, S. 45, Note) auf deutschem Boden, [vielleicht in Trier

entstand. Der Maler hatte ein frühchristlichen italienisches Werk als Vorlage, aber er gab,

wie Jlnitschek sagt, dem eigenen Schailelisdrange rückhaltslos nach (Ende des 8. Jahrhs.).

9.
            
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