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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 2)

hat ihnen heute der gute Geschmack schon den Absngebrief geschrieben,

seitdem sie, wie weiland der Kautschuk, zum Factotum, zum Allerweltsdiener

 des Kunstgewerbes geworden. Nichts ist vor der Imitation in

Celluloid sicher, und mit Misstrauen müssen wir besonders jedes Stückchen

 Elfenbein und Schildpatt betrachten. Es ergeht uns dabei wie Einem,

der, in eine fremde Gesellschaft gerathend, weiß, dass eine Anzahl Gauner

sich eingeschlichen hat, und nun im Zweifel ist, ob er nicht in Jedermann

einen solchen Gauner vermuthen, oder aber auch die Gauner für ehrliche

Leute nehmen soll. Ein anständiger Mensch wird eine solche Gesellschaft

bald satt bekommen, und das Gleiche passirt den angeführten Artikeln

gegenüber dem Publicum.

So wichtig all' diese Nachtheile des Fabriksbetriebes aber auch

immer sein mögen, so werden sie meiner Meinung nach doch insgesammt

bei Weitem übertroffen durch den einen großen Nachtheil, welchen dieser

Betrieb in so-cialer Hinsicht, und zwar auf den Arbeiter selber ausübt.

Man hat diesen Zusammenhang bisher zu wenig bedacht, den Zusammenhang

 nämlich, welcher zwischen der geisttödtenden Arbeit der Maschinenbedienung

 und der socialen Unzufriedenheit des modernen Arbeiters obwaltet.

 Können wir uns denn wundern, wenn der solcherart müBige

Geist auf allerlei verfängliche Gedanken kommt, dass er darüber nachzugrübeln

 beginnt, wie diese Welt doch um so Vieles besser sein sollte,

vielleicht sein könnte u. s. E? Wir wissen ja: Ein unbeschäftigter Kopf

sucht sich seine Thätigkeit im Luftschlösserbauen, und dies geschieht

ganz unwillkürlich. Wie anders fühlt und denkt dagegen ein Arbeiter, der

nicht zum bloßen physiologischen Werkzeug degradirt ist, bei dem vielmehr

 auch der Kopf bei der Sache sein muss. Nicht blos, dass ein

solcher für müBige Weltschmerzelei keine Zeit hat, er ist auch wirklich

zufrieden, weil er sich als ganzer Mensch, als Mensch, der nicht allein

Arme und Muskeln, sondern auch circa drei Pfund Gehirn hat, bethätigen

kann. Wenn man daher (mit Recht) als eine der Hauptursachen der socialen

 Gährung die enorme Entwerthnng der menschlichen Krafteinheit

durch die Maschine bezeichnet hat, so hätte man nicht vergessen sollen,

dass dazu auch noch die geschilderte Entwerthung der geistigen Potenz

das ihrige beiträgt. Und diese darf wahrlich nicht unterschätzt werden,

sofern man dem psychologischen Momente der socialen Frage voll Rechnung

 tragen will.

Inzwischen wäre es die lächerlichste Kathederweisheir, wollte man

aus all" den angeführten, nicht zu verkennenden Nachtheilen des Fabriksbetriebes

 etwa deduciren, dass es deshalb höchste Zeit sei, auf dem betretenen

 Wege umzukehren und die Maschinenarbeit wieder zu ersetzen durch

den alten Handbetrieb. Napoleon I. nannte in der Begeisterung, welche die

Leistungen der ersten Dampfmaschinen in jener Zeit naturgemäß allenthalben

entflammten, die Maschine den "Sclaven der Zukunftu; es war vielleicht

das einzige Mal, dass er, der große Menschenschlächter, den Menschen-
            
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