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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 2)

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Besuch des Museums. Die Sammlungen des Museums wurden im Monat

Januar von t3.g29, die Bibliothek von 2443 und die Vorlesungen von 698 Personen

 besucht.

Vorlesung. Am 8. Januar hielt Professor Dr. Josef Bayer einen Vortrag über

vßauwerlt, Stadtbild und Landschaft-i.

Der Vortragende ging von dem Verhältniss der Baukunst zur Natur aus, und

versuchte zunächst, die Bauwerke ursprünglicher Kunstperioden in ihrer Bedingtheit

durch die landschaftliche Umgebung, aus der sie gleichsam naturwßchsig emporstiegen,

zu erfassen und zu erklären. So wie der Mensch selbst auf den Gipfel der organischen

Wesen gestellt ist, so tritt das Bauwerk wieder auf die Hohe und in die Mitte der unorganischen

 und vegetativen Natur; es centralisirt den Eindruck der heimatlichen Landschalt,

 und spiegelt ihn - wenn auch in einem modiücirten Stilbilde -- in sich wieder.

Wie die Natureindüsse eben dieses Wohnsitzes auf die Empfindung und Phantasie des

Volkes einwirken, dies drucken in eigenartiger Stilisirung die architektonischen Hauptformen

 aus, und das ornamentale Detail tritt erklärend, symbolisirend hinzu. Die weite,

landschaftliche Scenerie zieht sich in das Compendium der architektonischen Scenerie

zusammen; sie ist das Bild der Volksheimat in künstlerischer Verklärung, das aufgebaute

 ldealbild derselben. Der Vortrag erläuterte dies weiter an kunstgeschichtliehen

 Beispielen: so 'an den agyptischen Tempelbauten aus der alten Pharaonen- und

der jüngeren Ptolomäerzeit, an den indischen Pagoden} Anlagen, vor Allem an der

Gesammtdisposition der heiligen Statten der Hellenen mit Haupt- und Nebentempeln,

Altaren, Schatzhausern, Weihgeschenken, dann der Umfriedigung des Tempelbezirkes

mit den Propyläen. Als classisches Hauptbeispiel für die stilisirte Tempellandschaft in

grandioser Erweiterung der Anlage wurde die Altis von Olympia in näheren Betracht

gezogen. - Hierauf kam der Vortragende auf das Verhaltniss des Stadtbildes zur

Landschaft zu sprechen, das sich selbstverständlich weit mehr complicirt. Hier wäre

scheinbar ein entschiedener Gegensatz zwischen dem landschaftlich Weiten und Offenen,

und andererseits dem Umschlussenen, dem Zusammengebauten da. Aber in der Art

und Weise, wie sich dieses Zusammenbauen vollzogen hat, in der Richtung und dem

Zug der Straßen, in der Anlage der Platze, in der Vertheilung der Monumentalbauten

zeigen sich geschichtliche Existenzbedingungen und Antriebe wirksam, die ebenso unmittelbar

 und unwiderstehlich sich geltend machen, als ob sie Naturmachte wären.

Und wenn die Stadt in diesem Sinn organisch gewachsen ist, wenn sie sich dem Orte

gemäß mit historischer Gesetzlichkeit entwickelt hat, dann ergibt sich hieraus als Resultat

 ein malerisches Stadtbild, welches als Ganzes, in seiner Gesammtwirkung

wieder in das richtige Verhaltnisa zur Landschaft tritt. Es versteht sich von selbst,

dass hier zwischen den ursprünglich herangewachsenen und den absichtlich gegründeten

Städten} zwischen der natürlichen Vergrößerung und der künstlichen Stadterweiterung

genau unterschieden werden muss. Die nähere Exempliücirung konnte in dem knappen

Rahmen des Vortrags nur skizzenhaft die Entwickelung der Städtebilder im Alterthum,

im Mittelalter und der Neuzeit streifen, und hierin über eine beiläufige, nur andeutende

Charakteristik nicht hinausgehen.

Litteratur - Bericht.

Die Porträtdarstellungen Karl's des Großen. Von Paul Clemen. Mit I7

Abbild. Aachen, C. Cazin, 1890. 8". 233 S. M. 6.

Der Verfasser eröffnet hiemit eine Reihe von Untersuchungen über die Porträtdarstellungen

 der deutschen Kaiser und Könige von Karl dem Großen bis auf Maximilian.

lnsoferne der Zweck dieser Untersuchungen dahin gerichtet ist, aus der Masse der Oberlieferten

 Porträts für jeden Herrscher dasjenige zu finden, das mit größter Wahrscheinlichkeit

 wo nicht Sicherheit als das richtigste gelten darf, ist das Interesse daran ein rein

historisches. Doch bringt es die Eigenartigkeit des Stolfes mit sich, dass die Durchführung

nur auf kunsthistorischer Grundlage geschehen kann. Das Material ist ein außerordentlich

umfangreiches, weshalb schon dem Ersten in der Reihenfolge der Herrscher, allerdings

einem der allerbedeutendsten, ein eigener Band -- der vorliegende - gewidmet werden

musste. Von besonderer Wichtigkeit ist da naturgemäß das handschriftliche Materials,

das der Verfasser auf Grundlage einer umfassenden Uebersicht zu handhaben weiß. Die

Durchsicht so vieler illustrirter Handschriften führte nebenbei zu anderweitigen kunsthistorisch

 bemerkenswerthen Ergebnissen; einige davon hat der Verfasser in zwei Excursen

 niedergelegt, in denen wir die vielveraprechenden Grundlagen zu weiteren Untersuchungen

 auf dem Gebiete der mittelalterlichen lkonographie und Buchillustration erblicken

 dürfen. Rgl.

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