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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 2)


der Handwerker nicht mechanisch arbeiten, denn das versteht die Maschine

besser, sondern es muss künstlerischer Geschmack seine Hand leiten, es

muss jedes aus seiner Hand hervorgehende Product den Stempel seiner

künstlerisch schöpferischen Phantasie tragen.

Und welch' eigenthümlicher Kreislauf der Anschauungen zeigt sich

eben an der Hausindustrie. Die lange verachteten alterthlimlichen Krüge

und Schalen, Schränke und Beschläge, selbst die Scherben und Bruchstücke

 werden Vorbilder für die Industrie. In den Stolfresten der Großrnutter

 findet der Musterzeichner einen Schatz von Motiven und präsentirt

der Hofdame, was das Bauernweib erfunden hat.

Die Hausindustrie bietet eine reiche Fundgrube für die Erkenntniss

der Wandlungen in den Kunstformen wie für die culturgeschichtliche

Entwickelung der einzelnen Völker. Alle Werke der Dichtkunst und

Musik, sowie alle Schöpfungen der bildenden und verzierenden Kunst

erringen allmälig den allgemeinen Beifall des betreffenden Volkes und

werden damit zu nationalem Eigenthum, zum vom nationalen Genius

beseelten Ideal, an welchem hierauf die Tradition durch viele Jahrhunderte

 festzuhalten geneigt ist. So entwickeln sich gleichsam in nationalem

 Geiste eigenartig Poesie, Musik, Tanz, Volkstracht, Schmuck u. s. wl,

endlich auch die ästhetische Gefühls- und Anschauungswelt, an welcher

der Geringste und der Mächtigste nach dem Grade seiner Mittel in

gleicher Weise theilnimmt.

Die Hausindustrie ist der seit Jahrtausenden von den Eltern auf

die Kinder fortgepflanzte Familienfleiß, welcher aus dem Dunkel barbarischer

 Vorzeit in das Licht der Civilisation herüberflihrt. Wo Hausindustrie,

 dort ist wirthschaftlicher Familiensinn, planmäßige Beschäftigung,

welche den verderblichen Müßiggang meidet, das physische Wohlbefinden

fördert und die Gefühlswelt verfeinert.

Aus vollem Herzen schließe ich mich den Ausführungen Jacob von

Falke's an:

nEs gilt mehr zu thun, als einfach die künstlerischen Motive der

Hausindustrie in die moderne Industrie aufzunehmen. Es gilt diese Hände

bei ihrer Arbeit und Beschäftigung zu erhalten, soll nicht Müßiggang

und Langeweile während der langen Winterszeit zu Demoralisation führen

und dem König Branntwein zum Throne verhelfen. Dazu aber ist es

nöthig, die Arbeit lohnend zu machen, man muss sie verwenden und

verwerthen außerhalb desjenigen Hauses, zu dessen Schmuck und Gebrauch

 sie heute allein bestimmt ist. Man muss sie sozusagen in Mode

bringen, in unser modernes Haus, in unseren modernen Gebrauch einführen,

 wie andere Erzeugnisse der Kunstindustrie. Und dazu sind sie

vollständig geeignet oder lassen sich wenigstens mit richtigem Verständniss

dafür geeignet machen. Es ist dies auch bereits versucht worden und

keineswegs ohne Erfolgs-
            
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