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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 2)

393.

In der serbischen Hausindustrie dagegen spielen die Teppichweberei

und die Weißstickerei, welche sich nicht selten zu höchst luxuriösen

Gebilden erheben, eine hervorragende Rolle. Auch auf goldgestickte Sammthauben

 und farbenprächtige Schürzen wird viel Fleiß verwendet und die

ganze Kleidung mit Metallflimmer ühersäet. Am reichsten ist die Volkstracht

 der im vorigen Jahrhundert aus Dalmatien eingewanderten katholischen

 Bunjewatzen, deren rothblaue Seidenkleider, goldgestickte Brocatwesten,

 sowie deren geschmackvoller Email-Halsschmuck und die feinen

Pantoffel auf die Einwirkung der italienischen Cultur weisen. Im Ganzen

bekundet sich bei den Serben eine erfreuliche wirthschaftliche Behäbigkeit,

 die auch dem Prunk nicht abhold ist.

Auch bei den Bulgaren bildet die Teppichproduction, deren Ornamentik

 sich den Szekler und serbischen Teppichen ebenbürtig anreiht,

einen der wichtigsten Bestandtheile der Hausindustrie. Die Volkstrachten

weisen auf uralte Tradition, erscheint doch die Bulgarin in ihrem Feststaate

 gleichwie eine Prinzessin aus dem Orient in reichgezeichneter

Farbenpracht mit Gold-, Silber- und Perlenstickerei. Doch während auch

der reiche Teppichschmuck und das mannigfache Geräthe den Sinn für

Pomp bekunden, beweist dennoch die reine, jedoch einfache tägliche

Tracht des wohlhabenden Bauern, dass er sich nicht über seinen Stand

erheben will,

Im Erzgebirge Siebenbürgens, woselbst aus Oberösterreich eingewanderte

 Bergleute ihre eigenthürnliche Bauart, Mobiliar und Volkstracht

in vollem ursprünglichen Charakter bewahrt haben, steht das reichgegliederte,

 correct construirte und mit zartvornehmen grünrothen Farben bemalte

 Mobiliar in sinnvoller Harmonie rnit den vielen Stickereien an den

Wänden und den reichausgestatteten Betten. Auch Krüge und Teller

prangen obenhin, und an die Wand genagelte lambrisartige, hübsch

bemalte Bretter sind überdies mit allerlei Stickereien belegt. Dazu kommt

die farbenreiche, gewählte und geschmackvolle Volkstracht. Der bänderreiche

 Kopfschmuck der Frauen, rothgestickte Hemden, rothe Stiefel,

Passementerie an Mieder und Gürtel und ein eigenthümlicher Mantel,

welcher geradezu feierlich aussieht.

lm Thale Kalotaszeg, an der Nordwestgrenze Siebenbürgens zwischen

Klausenburg und Großwardein zu Füssen des schneebedeckten Vlegyasza,

dessen Einwohner der Sage nach Tatarenabkömmlinge sein sollen, ist

das Mobiliar der Häuser einfach, es besteht aus unbemaltem, reingehobeltem

Holz. Bett, Geschirrhälter, Kästen und Läden sind jedoch über und über

voll mit den exquisiten Erzeugnissen traditioneller Weißwaaren und

Stickereien; überdies finden wir eine große Freude an keramischen Erzeugnissen,

 schöne grüne Kachelöfen, Krüge und Teller wetteifern mit

den alle Wände zierenden feinen Linnen und wunderbaren Stickereien,

welche geradezu eine Fundgrube echt ungarischer Motive abgeben und

die auf Ausstellungen allerwärts die Aufmerksamkeit und Anerkennung
            
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