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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 11)

Spielzeug. Die Nebenliguren sind nicht volle Personen im Sinne dieser

Grabrnäler, sondern zunächst nur Attribute, welche der Person des Verstorbenen

 zu näherer Charakteristik beigegeben werden. Erst in jener

Phase der attischen Grabsculptur, welche das 4. Jahrhundert beherrscht,

wird das Verhältniss inniger. Jene Motive, welche den Todten in der

Beschäftigung des Lebens zeigen, erscheinen zurückgedrängt, es herrschen

die Familienbilder vor, [deren Hauptpersonen in der Regel durch den

Handschlag verbunden sind, nicht als Andeutung für den Abschied, sondern

 als ein Ausdruck unter vielen für die Liebe, mit der die Verwandten

aneinander hingen. Jetzt liegt auch über den Figuren, in ihrer Haltung

und Bewegung,-in Blick und Geberde ein milder Ausdruck von Wehmuth

-und Trauer, dessen maßvolle Art wirksamer und nachhaltiger, als jedes

stärkere Mittel es vermöchte, den Betrachtenden in die Stimmung des

Ganzen zieht.

Das Bild der griechischen Grabsculptur wäre nicht vollständig, wenn

wir nicht erwähnen würden, dass deutlicher als blos durch die Trauer

der Familienglieder auf manchen Grabsteinen eine Beziehung zum Tode

ausgedrückt ist. Wenn, um von anderen Fällen zu schweigen, auf der

Grabstele der Ameinokleia diese von einer Sclavin sich die Sandalen anlegen

 lässt, so wird man das kaum als ein genrehaftes Motiv auffassen

dürfen, sondern als eine Andeutung der weiten Reise, welche Ameinokleia

 antreten muss. Voll und klar ist die hier zu Grunde liegende Idee

ausgesprochen auf dem Grablekythos der Myrrine. Hermes Psychopompos

hat die Hand der Myrrine leise ergriffen und schreitet nach links, indem

er nach ihr zurückblickt. Sie folgt gesenkten Hauptes, zögerndcn Schrittes,

aber ohne Widerstreben, ergeben in das unvermeidliche Geschick. lm Allgemeinen

 aber behält auf den griechischen Grabsteinen das Thun der

Lebendigen, die schöne Freude am Dasein durchaus das Recht. Die griechische

 Kunst löst das Problem der Grabsculptur in ihrem Sinne dadurch,

dass sie den Tod durch das Leben besiegt ").

Die griechischen Grabstelen leben aus in den römischen Grabsteinen.

Das alte Motiv, das zwei Personen durch den Handschlag verbindet, kehrt

noch wieder, aber das gewöhnliche ist die Auflösung der Gruppen in

Einzelfiguren. Die Menschen auf diesen Steinen leben nicht mehr für sich

und mit einander, sondern für den Beschauer; ihm wenden sie sich zu,

nur ligurirend, völlig handlungslos. Aber indem die römische Kunst verzichtet,

 Bilder des Lebens zu geben, weil ihr die schöpferische Kraft

dazu fehlte, führt sie ein kunstgeschichtlich neues Element in die Grabsculptur

 ein, das seither nie aufgegeben wurde und nie aufgegeben werden

darf! die Porträtähnlichkeit, mit der sie wenigstens die äußerliche Erscheinung

 des Menschen getreulich festzuhalten weiß.

') Für die Churalncrisirung der griechischen Grabsculptur wurde u. A. ein Aufsatz

von Benndorf in den Grenzbmcn 1869 p. 24,1 E. lheilweise wonlich benützt.
            
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