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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 1)

motiven zeigt der Tempel des Castor und Pollux. Zahlreich sind die

Fruchtgebänge, bald an Rosetten befestigt, bald von Candelabern oder

von geflügelten oder ungeflügelten Knaben geltalten. So unter anderen am

Tempel der Fortuna virilis, in der Vorhalle des Pantheon, sowie an

unzähligen Grabcippen, Altären und Sarkophagen. Auch das mit breiten

Bändern umschlungene Fruchtgehänge, das die Renaissance so sehr liebt,

kommt in der Antike vor. Von den herrlichen Decorationen der Villa

Hadriana war im 15. Jahrhundert Manches schon bekannt. Mit Laubgewinden

 umschlungene Säulen sind ebensowenig ein Originalmotiv des

15. Jahrhunderts wie naturalistisch behandelte Zweige als Füllungsornament

 verschiedenartiger Flächen. Besonders Zweige des Lorbeerbaumes

und Weinreben finden wir in der Antike nicht selten. Die Belebung des

Pflanzenornatnentes mit fabelhaften oder der Natur entnommenen Thieren

ist hier wie dort ein beliebter Vorgang. Kurz, wenn wir uns an das Sachliche

 halten, bleibt mit Ausnahme einiger Pflanzenarten und etlicher Zuthaten

 religiösen Ursprungs wenig übrig, was nicht schon bei den Römern

zu finden wäre.

So müssen wir es denn vollinhaltlich zugeben, wenn Burckhardt sagt,

auf keinem anderen Gebiete zeige sich die Renaissance dem römischen

Alterthum so völlig geistesverwandt als auf dem der Decoratiotf"). Das

mag auch mit ein Grund sein, warum sie gleich vom Anbeginne an mit

Liberwältigendem Reichthum auftreten konnte, ohne Zaudern Wände und

Bauglieder in den feinen Duft ihrer eigenartigen Poesie einzuhüllen verstand

 und einer Architektur, die noch vielfach schwächlich und unausgereift

 war, den Reiz köstlicher Jugendfrische zu verleihen vermochte.

Trotz dieser Geistesverwandtschaft mit dem römischen Alterthum

besitzt die Decorationsweise des Quattrocento vom ersten Auftreten an

doch etwas Eigenartiges und Neues, wodurch sie sich auf den

ersten Blick von der Antike unterscheidet. Ohne Zweifel hat die Renaissance

 in ihr Ornament etwas hineinzulegen verstanden, das ihr unbestreitbares

 Eigenthum war und eben das ist es auch, wodurch diese Decorationskunst

 erst ihr inneres Leben, ihre Fortbildungskraft, ihre eigentliche

Seele empfing. Dieses Eigene kann nichts Anderes sein als das lebendige

Naturempfinden der Renaissance, ihr offenes Auge für die Erscheinung,

ihre helle Freude an Allem was da lebt und Leben schafft. Diese Naturliebe

 brachte es mit sich', dass die Antike nur soweit in den wirklichen

geistigen Besitz der Renaissance überging, als man in ihr eine verständliche

 Umdeutung der Natur zu erkennen vermochte. S0 vollzieht sich also

hier dasselbe was Anton Springer") an der Entwickelung der figuralen

Sculptur beobachtet. Er sagt: wDas Naturstudium, von welchem die Renaissancekünstler

 ausgehen, wird an der Antike, dieser anderen, schöneren

') Geschichte der Renaissance, a. AufL, S. 246.

") Bilder aus der neueren Kunstgeschichte, z. AufL, S. 241.
            
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