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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 1)

darthut. Schon Cennini am Ende des 14. Jahrhunderts ruft in seinem

Buche über die Kunst begeistert aus: "Die vollkornmenste Führerin, das

beste Steuer und die Triumphpforte des Zeichnens sei die Natur; ihr

allein müsse man sich anvertrauen, sobald man begonnen habe, in sein

Zeichnen Gefühl legen zu könnenul

Die eigentliche geistige Brücke aus dem Gebiete der Dichtkunst in

das der bildenden Künste schlagen aber die Abhandlungen Leo Battisra

Alberti's. Er übersetzt die Anregungen zur Naturliebe, die er von den.

Dichtern empfangen, in eine dringende Aufforderung an die Künslter zum

Studium der Natur. Er richtet seine Worte zunächst an die Maler, die

er von geübten Handwerkern zu selbständigen, aus innerer Begeisterung

schaffenden Künstlern umbilden will, zu Männern, die mitten drinnen

stehen im geistigen Leben ihrer Zeit. lndem aber die einzelnen Zweige

des KunstschaEens jener Epoche nicht selten in ein und derselben Person

ihre Vertreter haben und obendrein die Malerei bald an die führende

Stelle zu treten berufen ist, übt sein Tractat auf die gesammte Kunst

eine mächtige Wirkung.

Seine Abhandlung wird, wie ein genauer Kenner der italienischen

Renaissance, Hubert Janitschek, sich ausdrückt, das wKunstprogramm der

neuen Zeile, und dieses Programm gipfelt in einer Liebe zur Natur,

welche die Renaissance zum Ausgangspunkte einer neuen Weltanschauung

stempelt. Thöricht nennt er den Mann, welcher sich auf seine eigene

Kraft verlässt, aus seinem Kopfe Formen und Gestalten zu formen wagt,

ohne die Natur zu Rathe zu ziehen.

Diese treue Beratherin wird nun auch in der That um Form und

Farbe, Licht und Schatten,_inneren Bau und äußere Erscheinung, kurz

um alle jene bisher nnbeachteten Feinheiten befragt, welche ein geschärftes

 Auge zu entdecken vermag, und die Antike steht dem Forscher

wie ein pädagogisch geschulter Lehrmeister dabei zur Seite.

Es war nicht anders möglich, als dass diese Naturliebe auch auf

die Entwickelung der Decorationskunst einen sehr entscheidenden Einfluss

nahm. - Wie die Dinge lagen, war sie drei verschiedenen Einwirkungen

ausgesetzt: den Einwirkungen der vorausgegangenen Gothik, der Antike

und des Naturstudiums.

Erinnern wir uns vor Allem in raschem Ueberblick an das was

der Antike angehört. Die ornamentalen Sculpturen an den Ruinen

Roms, an Sarkophagen, Thüreinfassungen, Candelabern, Vasen u. dgl.

bildeten für den Anfang ohne Zweifel die Hauptqnelle antiker Motive.

Da wir den größten Theil dieser Monumente heute noch besitzen, ist

es nicht schwer, ihren Schatz an Ornamenten festzustellen. Nur einige

ganz besonders naheliegende Beispiele seien erwähnt. Einen prächtigen

Fries aus Akanthus-Voluten, Greifen und Candelabern zusammengestellt,

trägt der Tempel des Antoninus und der Faustina am Forum romanum,

 schöne fortlaufende Gesimsbänder aus Palcnetten und Akanthus-
            
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