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vielen anderen kunstgewerblichen Gebieten durchgemacht haben oder
noch heute durchmachen. Die zahlreichen Miniaturmaler der gothischen
Zeit verschwanden im 15. Jahrhundert und an ihre Stelle traten die
Formschneider und Kupferstecher, die der künstlerischen, zeichnerischen
Leistung mit der Hand jeweilig nur einmal bedurften, um auf Grund
dessen mittels mechanischer Pressung so und so viele Abdrücke zu gewinnen.
Neben den vielen Tausenden von Holzschnitten und Stichen der
letzten vier Jahrhunderte begegnen wir nur selten einer Miniatur, etwa
einem Gebetbuche in Pergament, das sich irgend ein pietätvoller großer
Herr hat anfertigen lassen. In unserem Jahrhundert haben nun die physikalischen
Entdeckungen zur Erfindung von Verfahren geführt, welche
noch rascher, treuer und billiger als der Kupferstich und Formschnitt
Reproductionen von Natur- oder Kunstformen liefern. Warum sollte man
sich diese Vortheile um eines bloßen Principes willen entgehen lassen?
Erschien es da nicht klüger, sich rechtzeitig einen maßgebenden Einliuss
auf die praktische Ausübung dieser neuen Techniken zu sichern und auf
solchem Wege wenigstens die eigenen, auf dem Studium des mit überwundenen
Techniken hergestellten Alten basirten künstlerischen Ueberzeugungen
nach Möglichkeit zur Geltung zu bringen? Aus solchen
Erwägungen heraus vollzog sich der Entschluss des k. k. Unterrichtsministetiums,
eine Lehr- und Versuchsanstalt für photographische Reproductionsverfahren
zu begründen, und ganz ähnliche Erwägungen mögen
es gewesen sein, die dasselbe k. k. Ministerium bestimmten, dem Andrängen
der interessirten Vorarlberger Stickergremien nachzugehen und
in Dornbirn eine k. k. Fachschule für Maschinstickerei zu begründen.
Das parallele Beispiel von der Entwickelung der graphischen Reproductionstechniken
wurde absichtlich gewählt, weil sich zwischen ihnen
und den uns hier im Besonderen beschäftigenden Stickereitechniken auch
sonst noch einige zutreffende Analogien finden lassen. Die Maschinstickerei
verhält sich nämlich zur l-Iandstickerei ungefähr ebenso_ wie
der Formschnitt zur Miniatutmalerei. In der Handstickerei ist es die
Nadel, in der Malerei der Pinsel, womit die menschliche Hand unmittelbar
das Werk fertig bringt. Der Formschnitt ist dem gegenüber nichts als
das Product eines vervielfältigten Zeichenstiftes, die Maschinstickerei nichts
als dasjenige einer vervielfachten Nadel. Ein einmaliger künstlerischer
Entwurf geht da und dort voraus: der Maschinsticker bedarf der künstlerisch
concipirten Vorlage ebenso wie der Formschneider. Die Unterschiede,
die sich hiebei aus der verschiedenen Höhe der gestellten künstlerischen
Aufgabe zwischen Sticker und Formschneider ergeben und deren
ich mich natürlich vollkommen bewusst bin, alteriren keineswegs du also
festgestellte Grundverhältniss zwischen beiden.
Aber fassen wir die Stickerei in ihrem Verhältnisse zu den nächstverwandten,
zu den textilen Techniken inls Auge. ist denn der mechanische
Betrieb auf textileni Gebiete in der That etwas völlig Neues, erst in