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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 12)

In allen diesen Dingen, welche sich um ihres Gebrauches willen 
fast gänzlich von der Kunst ausschließen, brachte die Renaissance wenig 
oder gar keine Aenderung; umsornehr aber wirkte sie umgestaltend auf 
das Mobiliar und den feineren Hausrath, auf alles Dasjenige, was Tisch 
und Tafel besetzt und die Wände zu zieren hat. Auf diesem Gebiete der 
Kunst- und Culturgeschichte bildete sie einen neuen Abschnitt. 
Zur Geschichte des Kunsttöpfers Hans Kraut 
in Yillingen. _ 
Herr Hofrath Kahlbau in Stuttgart machte mir vor Kurzem eine 
für die Geschichte der Kunsttöpferei und ferner durch ihre Beziehungen 
zu Wien interessante Mittheilung. lm Besitze des genannten Herrn beiindet 
sich ein kreisrundes Thonrelief von 3t'5 Centimeter Durchmesser, welches 
im größeren inneren Kreise drei Wappen enthält, nämlich dasjenige der 
ehemals österreichischen Stadt Villingen auf dem Schwarzwald, rother 
einköpfiger Adler auf senkrecht getheiltem, rechts silbernem, links blauem 
Felde, der Helm hat die Form einer sogenannten Hundsgugel mit blauem 
und weißem Gebäude, aus welchem der Pfauenstoß hervorwächst; über 
letzterem schwebt eine grüne Banderole mit dem Worte Villingen in 
Goldlapidaren. Dieses Stadtwappen wird auf beiden Seiten gehalten 
von je einem Wappenthiere, vor dessen Körper ebenfalls Wappenschilder 
schweben, deren Tatzen aber sich auf den Pfauenstoß des Stadtwappens 
legen. Das Thier zur Rechten gleicht im Oberkörper, Kopf und Schnabel, 
welche grünlich-schwarz und goldgefärbt sind, einem einköpfigen Adler, 
der Unterkörper in Gold ist der eines Löwen oder Greifen mit zwei 
Krallenfüßen und langem Schwanz; das Wappen dieses Thieres der 
deutsche Kaiseradler mit Oesterreich und Castilien im Herzschild auf 
goldenem Tartschenschilde, darüber die Haubenkrone, aus deren Form 
sich später die Rudolphinische Hauskrone entwickeln sollte. Die Bestie 
zur Linken ist in analoger Stellung ein rother Löwe mit dem einköpligen 
römischen Königsadler, auf dessen Brustschild Oesterreich und Burgund 
auf Gold, darüber eine offene Reifkrone. Der Fond dieses ganzen inneren 
Kreises ist blau, im Durchmesser von 18 Centimeter; denselben umgibt 
ein äußerer Kreisrand, 6 Centimeter breit, in welchem auf rothem Grunde 
48 kleine Wappenschilde ohne Helme angebracht sind, welche, in Farben 
ausgeführt, Besitzungen und Ansprüche der Habsburgischen Dynastie 
bezeichnen. Der Künstler dieser prachtvollen Scheibe war Hans Kraut. 
Von diesem Künstler der Keramik, welcher gewiss einer der 
bedeutendsten seines Faches ist, sagt schon Friedrich Jänniclte in seinem 
Grundriss der Keramik (Stuttgart 187g, pag. 402), er habe einen pracht- 
vollen Ofen mit farbigen Reliefkacheln verfertigt, welcher in der Hofburg 
zu Wien steht, und Herr Kahlbau frägt mich nun, ob ein solcher in
	        
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