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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 12)

scheinen. Die Messer haben am Ende der Klinge gewöhnlich gespitzte 
Form, um das Fleisch nicht blos zu schneiden, sondern auch aufzustcchen 
oder aufzuspießen. Denn Gabeln-wie im heutigen Gebrauch kannte das 
ganzeMittelalter nicht, außer etwa im verfeinerten Byzanz. Man sieht 
sie deshalb auch niemals auf den Speisetischen liegen. Nur in der Küche 
und zum Tranchiren stand eine Gabel im Gebrauch. ihren Dienst im 
Mittelalter versahen Hand und Finger. Es gehörten daher mit Nothwen- 
digkeitdie Wasserkanne und die Serviette zum Mahle. {Nach- dem Mahle 
oder schon zwischen den einzelnen Speisen gingen Dienerherum mit 
Kanne und Schüssel und Serviette, und gossen jedem Geste Wasser auf 
die Hände und reichten ihm das Handtuch zum AbtrocknenyScbon früh 
aber wurde auch jedem Gaste das Handtuch gelegt, um sich sofort die 
Finger zu wischen, wenn sie ihren Dienst in der Schüssel verrichtet 
hatten. Löffel zeigen die Bilder auch erst später. - - 
Werfen wir noch einen Blick in das Schlafzimmer, welches zugleich 
als Frauengemach, als Boudoir diente. Hier war es, wo die Frau-des 
Hauses empfing. Das geschah allerdings nur in den vornehmsten Häusern, 
denn in der einfachen Ritterburg wohnte die ganze Familie noch in einem 
einzigen großen. Gemach, in welchem für die Hausfrau nur durch auf- 
gehängte Teppiche ein separirter Raum zur Toilette oder für das Ehebett 
abgetheilt war. In Frankreich kam es zu dieser Epoche auch vor, dass die 
ganze Familie in einem und demselben großen Bette schlief. im, bürger- 
lichen Hause der Städte war ebenfalls eine Trennung zwischen Wohn- 
und Schlafgemächern nur in Patrizierhäusern, und auch da nicht streng 
durchgeführt. - . . ' 
Das Hauptstück im Schlafgemach war das Bett, das zu dieser Zeit 
noch nicht mit Pfosten, Himmel und Vorhängen oder ganz mit Bretter- 
wänden zu einer geschlossenen kleinen Behausung gemacht war. Es stand 
offen und frei, höchstens dass über vortretende, in der Wand befestigte 
Stäbe eine leichte Decke oder vielmehr ein leichter Stoß" himmelartig 
gehängt war, der aber das Bett frei und offen ließ. Auf den Bildern 
findet sich nicht selten eine Ampel über dem "Schlafenden. Die Gestalt 
des Bettes gleicht dem unsrigen mit etwas erhöhtem Kopfende; zuweilen 
scheint es aus Eisenstiiben gebildet. XAn dem Fußende stand gewöhnlich 
eine Bank mit Lehne, auf welche die Herrin ihren Gast zum Sitzen 
einlud. Auch eine Fußbank ündet man neben dem Bette zum bequemeren 
Hineinsteigcn. Jene Sitzhank diente auch als Truhe zum Aufheben der 
Kleider. Kasten zum Aufbewahren der Toilertegeräthe, wie sie in gothi- 
scher Epoche auf den Bildern vorkommen, waren ohne Zweifel vorhanden, 
wenn die dürftigen Bilder sie auch nicht erkennen lassen. Leuchter haben 
sich aus dieser Zeit des romanischen Kunststils vielfach erhalten, theils 
von Kupfer und mit Grubenemail geschmückt, theils von Messing oder 
Gelhguss. Sie haben eine doppelte Form: entweder "sind sie niedrig-und 
rnit einem Stachel, auf welchen die Wachskerze gesteckt wird, eder mit
	        

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