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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 1)

T? 2707

einen auffallenden Zug in seiner Lebensweise, durch die Emsigkeit, mit

welcher er große Mistpillen dreht, die je ein Ei enthalten und die er

dann vor sich her wälzt, Aufmerksamkeit erregt. Er wurde zum Gott

Cheperru, der das Sonnenei vor sich hinschiebt und damit Nut, die

Göttin des Himmelsoceans, befruchtet. Aus seinem Namen leitete man

ferner das Sinnbild des irdischen Seins und des künftigen Werdens des

Menschen ab, und so wurde er zum Symbol des ewigen Lebens"), daher

seine große funeräre Bedeutung. Der Scarabäus soll den ersten Lebenshauch

 empfinden am Tage der Auferstehung und wird daher der Mumie

an die Stelle des Herzens gelegt. Die Todten-Scarabäen sind in der

Regel ziemlich groß und tragen auf der Unterseite das 30. Capitel des

Todtenrituales eingravirt. Bei anderen Exemplaren ist die Unterseite bald

der des lnsectes nachgebildet, bald ist sie glatt, bald sind Gebete oder

andere lnschriften darauf ersichtlich. So ist uns z. B. der Name einer

Anzahl von Königen nur von solchen Inschriften her bekannt. Manfindet

Scarabäen in mannigfachstem Material und in den verschiedensten Größen.

Oft sind sie durchlöchert oder angebohrt, um auf ein Schnürchen gereiht

oder in einen Ring gefasst zu werden; bald sind sie mit größter Sorgfalt

ausgeführt, wie jenes köstliche Exemplar der Königin Aahotep; bald

tragen sie alle Anzeichen werthloser Dutzendwaare an sich. Schon aus

der lV. Dynastie sind Scarabäen aus Obsidian und Krystall bekannt. Im

Museum zu Gizeh befindet sich ein Scarabäus mit dem Namen Menkaura's,

 jenes Königs, der in der kleinsten und jüngsten der drei großen

Pyramiden von Gizeh beigesetzt war. Auch aus dem Anfang des ersten

thebaischen Reiches gibt es welche, und zwar aus Smaragd, Amethyst

und Granat. lm Neuen Reiche endlich wird ihre Zahl unübersehbar. Der

Handel brachte sie in alle Länder der Alten Welt und als sie schließlich

ihre ursprüngliche Bedeutung verloren hatten, erfreuten sie sich als

Schmuckstück und Ornament noch allgemeiner Beliebtheit und wurden

schließlich geradezu zum Symbol des Landes aus dem sie stammten."

Eine besondere Gruppe von Schmuckstücken, die uns noch zu besprechen

 bleibt, bilden die Ringe.

Ich habe sie nicht in den übrigen Zusammenhang aufgenommen,

weil sie in Folge ihrer größeren selbständigen Bedeutung innerhalb des

Schmuckes eine besondere Stelle einnehmen und das Wesentliche, was

sich von ihnen sagen lässt, nur bei Zusammenfassender Behandlung genügend

 hervortritt. - Der Ring der Aegypter bestand ursprünglich aus

einem gravirten viereckigen Stein, der in einen hufeisenfürmigen Bügel

aus Gold so gefasst war, dass er sich drehen konnte, und ist ohne Zweifel

erst später Schmuckstück geworden. Ursprünglich lag seine Bedeutung

im Siegel, das man vermittelst dieses Ringes auf Thon, Wachs und

anderes dazu geeignetes Material aufdrücken konnte. Der Ring mit seinem

5'; Vergl. Meyer, Geschichte Äegyplens I, 74 und Muspero, n. n. O. p. 136 f.
            
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