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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 12)

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kein Geheimniss, aber eine Schwierigkeit lag in der Bildung oder Zusammensetzung

 des Wachses, und diese wird wohl von den Erzgießern,

wenn sie mit eigenen Versuchen das Richtige gefunden zu haben glauben,

als Geheimniss betrachtet. Wenn wir nach den ausgestellten Gegenständen

schließen dürfen, so ist Pönninger mit solchen Versuchen gewiss zum

Ziele gelangt, denn seine Arbeiten zeigen eine Kühnheit, eine Bravour,

eine Freiheit und Vollkommenheit, dass ein jeder, der mit der Technik

des Erzgusses einigermaßen vertraut ist, nur staunen kann. Der freiesten

Bewegung, wie sie nur immer das Wachs gestattet, ist hier das starre

Erz mit willigem Gehorsam gefolgt. Von diesem Standpunkt aus - wir

übergehen andere Vorzüge - bietet die Ausstellung Pönningers ein ganz

besonderes Interesse.

Neben Pönninger sehen wir in der Halle einen alten Bekannten und

Freund der Weihnachts-Ausstellung, den wir seit einer Reihe von Jahren

vermisst haben, A. Milde und seine Eisenarbeiten. Mit seinen in Eisen

getriebenen Maskerons und anderen ornamentalen und figürlichen Gegenständen

 bildet er eine Specialität neben den geschmiedeten Arbeiten von

Wülhelm, von Schwarz, von A. Nehr u. a. Neu auf der Weihnachts-Ausstellung

 mit ähnlichen Arbeiten kleinerer Art ist Demenego in Cortina

d'Ampezzo; sie dienen vermuthlich an diesem viel besuchten Fremdenorte

 als Kaufgegenstände der Erinnerung neben den wohlbekannten Arbeiten

 in Siberliligran. Unter den Silberarbeiten sieht man auch diesmal,

wie seit einigen Jahren regelmäßig, die Firma Goldberger mit einer großen

Anzahl Gegenstände des vornehmen Haus- und Luxusgebrauches von

guten Formen, aber ohne besondere Eigenthümlichkeit. Mehr Eigenart

besitzen V. Meyers Söhne, deren Arbeiten sich am gewohnten Platze

befinden. Wir haben darunter mit Vergnügen einige Gegenstände, Jardiniere

 und zweiCandelaber, bemerkt, welche Entstehung und künstlerische

Motive jenen von der Stadt Wien der ErzherzoginMargaretha zur Vermählung

geschenkten Gegenständen verdanken. Diese Arbeiten hatten bekanntlich

mit großem Glück ihre Motive dem großen Brunnen von Rafael Donner

entlehnt.

Vom Harten und Spröden zum Weichen, vom Metall zur Stickerei -

ein etwas gewaltsamer Schritt, aber die Stickerei verdient auf unserer

Ausstellung eine bevorzugte Erwähnung. Wir erinnern uns der ersten

Ausstellung von Stickereien, welche auf unserer Weltausstellung 1873,

also gerade vor zo Jahren, stattfand. Wenn man damals denselben

künstlerischen Maßstab an die Arbeiten der weiblichen Hand angelegt

hätte, welchem die jetzige Ausstellung unterworfen gewesen, nicht ein

einziges Stück wäre aufgenommen worden. Und nicht blos die Güte der

einzelnen Gegenstände, wie ganz anders die Gesammterscheinung!

Material, Stickart, Farbe, Zeichnung, Gegenstand der Verzierung, Ornamente

 - alles total anders! Und das gilt gleicherweise von den eigentlichen

 Stickereigeschäften, wie z. B. von der in jeder Beziehung voll-34."


            
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