MAK

Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 2)

 
wir der Vermittlung brauchten in den verschiedensten Kreisen 
der Gesellschaft, stets war er bereit und immer mit Erfolg; 
hatten wir Special-Atisstellungen vor und bedurften der werk- 
thätigen Hilfe, niemals war uns die seine versagt. Als die Kunst- 
gewerbeschule gegründet wurde und so viele arme Schüler sich 
meldeten und aufgenommen wurden, ohne im Besitz der Mittel 
zu ihrer Erhaltung zu sein, da war Er es, der sich an die Spitze 
eines Unterstützungsvereins stellte, und mit welchem Erfolge, 
zeigt das gegenwärtige Vermögen der Gesellschaft und die zahl- 
reichen Stipendien, welche alljährlich den Schülern zufließen. 
Was er that für das Museum, er that es ebenso mit dem Herzen 
wie mit hoher Intelligenz. Wie vortrefflich und wie tactvoll 
wusste er Worte zu finden, wo es galt, für das Museum zu 
sprechen. Er liebte das lnstitut, er war Freund des ersten 
Directors und übertrug seine Freundschaft auf den Nachfolger 
desselben. Die Förderung des Museums war ihm Herzenssache, 
seine Stellung als Curator und ständiger Vorsitzender des Cura- 
toriums war ihm Ehrensache und Ehrenpfiicht. Aber das Museum 
hätte sich auch keinen besseren wünschen können. Er war ein 
Kenner in allen den Dingen der Kunst, welche die Thätigkeit 
des Museums umfasste; er wusste sie zu beurtheilen, ob alt oder 
neu; er liebte sie selbst leidenschaftlich, um ihrer selbst, um der 
Schönheit willen. In diesem Sinne war er Freund der Kunst und 
der Künstler, in diesem Sinne sammelte er Werke der Kunst 
und der Kunstindustrie und rief sie auch hervor. Er sammelte 
sie nicht als todten Besitz; er musste sie allezeit um sich sehen, 
um sich allzeit ihrer zu erfreuen, und so hatte er sich mit ihnen 
sein Heim eingerichtet. i 
Nun ist er dahin gegangen, nicht zu früh nach dem Menschen- 
schicksal für sein Alter, nicht zu früh für die Leiden, die in 
hohen Jahren endlich auch über ihn gekommen, - immer aber 
zu frühe für uns. Und wenn er uns in den letzten Jahren nicht 
mehr das sein konnte, was er so lange gewesen war, so war er 
uns Allen theuer, ein unvergängliches Bild treuer Freundschaft, 
ein Gegenstand unauslöschlicher Dankbarkeit. Nie wird sein An- 
denken in den Hallen des Oesterreichischen Museums vergehen. 
j. v. F.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.