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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 9)

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Waffen vom 8. bis in's 17. Jahrhundert in ihren markantesten Typen vor Augen stellt.

Der Herausgeber, ein hochgebildeter deutscher Officier, bringt hier keine Phantasiegebilde,

 sondern treueste Copien von Originalen oder gleichzeitigen deutlichen Abbildungen,

 die wir mit vollstem Vertrauen entgegennehmen können.

Der Verfasser hat sich in seiner Aufgabe sehr beschrankt. Wir nehmen das nicht

in den: Sinne, dass er seine Erklärungen in kurzer, prägnanter Form gibt und das Hauptgewicht

 auf die Anschauung legt; das genügt für den vorliegenden didaktischen Zweck

vollkommen und wirkt viel nachhaltiger, als wenn der Autor die Gelegenheit ergriffen

haue, dem Beschauer mit Details zu kommen, die dieser hinterher doch wieder vergisst.

Was wir angesichts der treElichen Tafeln als Beschränkung ansehen, liegt darin, dass

der Verfasser die Feuerwaffen nahezu völlig aus seinem Programme gestrichen hat, die,

nehme man es wie man wolle, nicht auszuschließen sind. Mag sein, dass Lieutenant

Gimbel der Ansicht ist, dass die Feuerwaffen seit ihrer Einführung lußerlich nicht

jene chrakteriatischen Varianten bieten, wie die Hieb- und Stoßwaffen, dass ihn iltre

Aufnahme in der übersichtlichen und praktischen Eintheilung der Tafeln beirrt hatte.

lhre Einbeziehung wäre aber für den Zweck ganz ununigehbar gewesen, denn abgesehen

von den Handfeuerwalfen, hatte in der Darstellung der Geschütztypen der burgundischen

Artillerie des 15. Jahrhunderts, der italienischen, Maximilianischen, der Artillerie Franz 1.,

jener Karls V. des I6. Jahrhunderts. der niederländischen, deutschen und schwedischen

Artillerie des 17. Jahrhunderts die gestellte didaktische Aufgabe ihre volle Beantwortung

gefunden. Diese Ergänzung lasst sich auch nicht gut in einem Nachtrage bieten, weil

selbe die chronologische Uebersicht wesentlich beeinträchtigen würde. Vielleicht entschliesst

 sich der Verfasser in einer nächsten Auflage zu einer Vervollständigung.

Unseren ganzen Beifall können wir der Auswahl der Figuren geben; der Verfasser

hat darin sattsam dargethan, dass er die Litteratur seines Gegenstandes kennt und richtig

beurtheilt. Unter den Figuren finden sich auch ungemein viele in Originalen aus dem

Besitze des Verfassers selbst. Nach den hier gebotenen Beispielen lernen wir denselben

auch als glücklichen und verstandniasvollen Sammler kennen. Der Text, welcher in einem

Hefte beigegeben ist, muss bei aller Kürze als sachgemäß und treEend bezeichnet werden.

ln der Terminologie differirt er hie und da mit Autoren wie Leitner, Essenwein und

Scheiger etc. Dieser Umstand beirrt aber nirgends das Verständniss.

Alles in Allem genommen sind die neu erschienenen Tafeln K. GimbeVs ein

werthvoller Beitrag für unsere Unterrichts-Litteratur, und wir künnen dieselben unseren

Unterrichtsbehdrden nur auf das Allerwarmste für unsere Mittelschulen empfehlen, Aber

auch für unsere Kunstakademien, für das Kunslgewerbe und einige kunstgcwerbliche

Fschschulen werden sie sicher einen überaus brauchbaren Behelf bieten konnen.

Die Ausstattung ist eine vollkommen zufriedenstellende; die Zeichnungen von der

Hand des Verfassers selbst sind bei dem glücklichen Umstande, als der Zeichner zugleich

Fachmann ist, bis in's Einzelnste correct; der Lichtdruck ist ungeachtet des großen Formates

 sls gelungen zu bezeichnen. Das Werk entspricht auch in seiner Ausführung vollkommen

 seinem Zwecke. Wendelin Boeheim.

er

Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westphalen. Kreis Lüdinghausen.

Im Auftrage des Provinzialverbandes der Provinz Westphalen bearbeitet

 von A. Ludorff. Mit geschichtlichen Einleitungen von

J. Schwieters. Münster i. W., F. Schöning, 1893. Fol. VI, 1x3 5.,

107 Taf. M. 5'6o.

Die Kunsttopographie Deutschlands nimmt einen erfreulichen Fortgang. Da man

an den verschiedensten Punkten fast gleichzeitig begonnen, geht das große Unternehmen

mit sicheren Schritten seiner Vollendung entgegen. Das Ganze wird schließlich allerdings

etwas bunt aussehen, denn man ist nicht, wie es wohl wünschenswerth gewesen Ware,

nach einem bestimmten Muster vorgegangen, sondern begnügte sich damit, nur im

Großen und Ganzen dieselbe Richtung einzuhalten. Wenn aber von dieser Art des Vorgehens

 die Raschheit der Vollendung ahhangig war, so ist dies ein Vortheil, der die

damit verbundenen Mangel entschieden überwiegt. Speciell in Preußen hat sich das

decentraliaierende System auf das Beste bewährt. iProvinziallandtage und Provinzialverbinde,

 vom Staate mit der Obsorge für Veroßentlichung wissenschaftlich bearbeiteter

Kunstdenkmäler-Inventars betraut, legten die Arbeit in die Hande bewahrter Fachleute

und gaben ihnen die Mittel, sich mit ungetheilter Kraft ihrer Aufgabe zu widmen. Dies

hatte nicht allein eine Beschleunigung dieser für den weiteren Ausbau der Kunstgeschichte

 dringend nothwendigen Arbeiten zur Folge, sondern führte auch den Vortheil

herbei, daB an den verschiedensten Punkten des Reiches Kräfte geschult und Leute zur

Bethltigung herangezogen wurden, die naturgemäß von da ab die herufensten Beschützer

und Interpreten der von ihnen bearbeiteten Kunstwerke geworden sind.
            
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