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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 9)

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Für die Provinz Westphalen, wo die Arbeit schon 1875 durch Nordhoff in 
Angriß" genommen wurde, dann aber eine lange Unterbrechung erfuhr, hat nun der Pro- 
vinzial-Bauinspector und Conservator, A. Ludorff, die erste Lieferung einer neuen Folge 
veröffentlicht. Sie umfasst den Kreis Lüdinghausen. Da Jahr für Jahr 2-3 Kreise auf- 
gestellt werden sollen, hoßt der Bearbeiter, dass die Fortsetzungen rasch nacheinander folgen 
werden. Die vorliegende Probe zeigt, wie sich immer mehr die Überzeugung geltend 
macht, dass kunsttopographische Arbeiten nur dann ihren Zweck vollständig erfüllen, 
wenn ihnen zahlreiche und gute Abbildungen beigegeben sind. Dem kleinen Kreise 
Lüdinghausen im Herzen Westplialens sind nicht weniger als 39a Abbildungen auf 
75 Lichtdruck- und 3a Cliche-Taleln sowie im Texte gewidmet, obwohl er auf seinen 
xz Quadratmeilen nicht ein großeres Kunstwerk ersten Ranges besitzt. 
Finden wir aber hier auch keine führenden Werke auf dem Gebiete deutscher 
Kunstgeschichte, so bietet sich doch eine Fülle guter und bisher nur zum geringen Theil 
bekannter Arbeiten. Auf dem Gebiete der Architektur ragen besonders hervor die roma- 
nische Kirche von Cappenberg, die gothische von Lüdinghausen, das Amtshaus aus dem 
16. Jahrhundert daselbst und das gegenwärtig der graflichen Familie Esterhazy gehörende 
barocke Schloss Nordltirchen. Künstlerisch werthvolle Sculpturen sind namentlich ein 
prächtiger Renaissance-Kamin auf Schloss Drensteinfurt und eine heil. Felicitas mit ihren 
sieben Sbhnen in Holz zu Lüdingliausen. Vorzüglich erhaltene Tafelgemalde aus dem 
I5. und I6. Jahrhundert besitzt die Kirche in Cappenberg. Überdies finden wir eine 
Reihe kirchlicher Gefäße und Geräthe vom tz. bis zum t6. Jahrhundert. Nicht minder 
wichtig sind eine Anzahl prachtig geschnitzter Chorstühle, zierlicher Sacramentshauschen, 
schon erhaltener Miniaturen und Initialen, wie die auf den Schlössern Westerwinkel und 
Nordkirchen. Unter den profanen Gegenstanden sind mehrere Mübel aus dem I4. bis 
I8. Jahrhundert und mehrere Goldschmiedearbeiten der Renaissance hervorzuheben. 
Was den Text anlangt, entspricht dessen historischer Theil allen billigen An- 
forderungen; bei den Beschreibungen dagegen macht sich einer der Eingangs er- 
wähnten Nachtheile, die aus dem Mangel eines detaillierten und allen Bearbeitungen 
gleichmaßig zu Grunde liegenden Durchßhrungs-Scheruis erwachsen, geltend. Der Ver- 
tasser hat in Bezug auf Kürze entschieden des Guten zu viel gethan. So finden wir z. B. 
zu Tafel to; folgende Erklärung: rMonstranz, Renaissance, Silber vergoldet, o'62 Meter 
hoch, Kirche zu Beifang - Capelleu - Es fehlen die Angaben über Meister- und 
Beschauzeichen, über die Namen der Heiligenfiguren, die die Monstranze schmücken, 
über Technik und Art der Verzierung in den Sechspassfeldern des Fußes, Dinge, die 
sich aus der Abbildung nicht entnehmen lassen. Das Beispiel ist typisch für die ganze 
Bearbeitung. lm Übrigen ist der Text sehr übersichtlich angeordnet, und findet sich 
im Registertheile ein vom praktischen Gesichtspunkte hdchst erwünschtes Sachregister 
des Denkmäler-Verzeichnisses. Fs. 
Bibliographie des Kunstgewerbes. 
(Vom 15. Juli bis 1;. August 1894.) 
1. Technik u. Allgemeines. Aesthetik. 
Kunstgewerblicher Unterricht. 
Bayer, Jos. Die ältesten Monumente nach 
ihrer cultur- und ltunlthistorischen Be- 
deutung. (Monnlsbl. des wissenschaftl. 
Club, m.) 
B(ucher), B. Ueber Stilentwicklung. (Bl. 
für Kunstgewerhe, 6.) 
Champier, V. Le Congres des Arts ae- 
corltifs: Lu resultats. (Revue des Arts 
dkon, Mai.) 
Cnngris des arls deeoratifs. (Journ. mnnuel 
des peintures, IV, 1.) 
Deneken. Japan und das moderne Kunst- 
handwerk. (Gewerbebl. aus Württem- 
berg, 47; n. nKunstgewerbeu.) 
Du Chutenet, E. Les Artisans celäbrei. 
8'. 119 p. Limoges, Ardant et Co. 
Einhorn, Das, und seine Jagd in der mittel- 
alterlichen Kunst. (D. Kirchensebmuck, 7.) 
Franz Pascha. Studie über Namen und 
Entstehung der Kunst der Vbllter des ls- 
lams. (Monatsschr. für den Orient, 6, 7.) 
Gruberg, F. Kunatübung und Nnlursinn. 
(Der Kunstwart, 21.) 
Harmonie, Die, der Farben -- Fnrbensym- 
bolik. (TÄPGIGIPZIQQ 16.) 
Jadart, H. lnventnire du mobilier et des 
livres de Leonor d'Es1ampes de Valenga , 
nrcheveque de Reims (1641-1651). Ü. 
17 p. Reims, impr. Monce. (Extr. du t. 93 
des Travaux de lütcademle de Reims) 
Kohler, J. Ueber die Allegorie in der 
Kunst. (Die Gegenwnrt, 21, n.) 
Lage, Zurgegenwlrtigen, des Kuustgewerbes. _ 
(Wieclüs Gewerbe-Ztg, 31; u. d. oVou. 
115.- und der nMaler-Ztgu] 
15'
	        

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