Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 6)

ß

kürzlich erschienenen Monographie Galland's Leben und seine Bedeutung

für die decorative Kunst unserer Zeit geschilderP). Er zeigt, welch'

ernstes Streben ihn von frühester Jugend bis in das späte Alter beseelte,

welchl harter Selbstzucht und scharfen Kritik er sich unterwarf und wie

er Alles, was ihn umgab, mit offenem Künstlerauge in. sich aufnahm.

Gewisse Kränkungen und Enttäuschungen blieben auch ihm nicht

erspart. Galland wurde nie populär und empfand es bitter genug. Weil

er nicht alljährlich im Salon ausstellte, kannte man ihn wenig, und selbst

seine durch die Tagesliteratur berühmt gewordenen Collegen sahen mit

Geringschätzung auf ihn herab. Da ihm Kunst mehr galt als Gunst

leuchtete ihm auch in den Tuilerien kein besonders freundlicher Stern,

wenngleich einige Stsatssufträge nicht ausblieben. Die bitterste Enttäuschung

 bereiteten ihrn aber seine Misserfolge an der Ecole des Beaux-Arts,

 wohin er 1873 berufen wurde, um für die Elite der Schüler einen

höheren Curs über decorative Malerei zu halten. Galland ging mit Begeisterung

 an die Arbeit, denn es war von jeher ein lehrhafter Zug

in ihm. Leider war er aber zu wenig Pädagoge. Er entwickelte seine

Theorien vor jungen Leuten, die sie nicht zu schätzen wussten,

weil ihnen die Praxis abging, die jeder Theorie, soll sie Wurzel fassen,

vorangehen muss. Fehlte einerseits bei den Schülern die geistige

Reife, so fehlte anderseits bei seinen Amtsgenossen der gute Wille, ihn

zu unterstützen. In einseitigem Fachbetriebe befangen, hatten sie kein

Verständniss für den Werth seines Unterrichtes. Manche seiner Unterweisungen

 sind in Havard's Buch übergegangen, und hier werden reifere

Künstler seine Worte als feinen Niederschlag künstlerischer Weisheit

erkennen und gebührend schätzen.

Treffliche Bemerkungen über Tonwerthe der Hintergründe im Verhältnis:

 zu den davon sich abhebenden Figuren, über die Axenstellung

decorativer Compositionen, über den Werth und Unwerth von Zufälligkeiten

 bei derlei Arbeiten, über das Malen auf Goldgrund, über die Nothwendigkeit

 decorative Malereien anders wie Staffeleibilder zu behandeln

und über vieles Andere sind hier zu finden. Besonders bemerkenswerth

scheint uns folgende Beobachtung: Wenn mehrere Panneaux oder Bilder

für ein und denselben Raum auszuführen sind, bei denen sich Blumen

oder Früchte als Umrahrnung, Guirlande, Kranz, Bcuquet oder auf

sonstige Weise wiederholen, so empfiehlt es sich in jedem einzelnen Falle

nur eine einzige Gattung von Früchten oder Blumen zu verwenden.

Dieser Vorgang erleichtert nicht nur die Aufgabe in vielfacher Beziehung,

sondern ist auch in künstlerischer Hinsicht vorzuziehen; denn man

gewinnt für jedes einzelne Bild einen anderen charakteristischen Localton,

vermeidet die Monotonie und hat bei fortlaufenden Bilderserien das beste

Mittel. charakteristische Trennungen durchzuführen. Im umgekehrten

') Henry Hnard, Uoeuvre d: P.-V. Gnllund. Puris, Anc. Mais. Qumtin, 1895.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.