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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 6)

wenn uns nicht die Bibel auch sagen würde, dass eine specielle Anordnung

Gottes das israelitische Priesterkleid geradezu neu geschaffen und bis

in's unwesentliche Detail dessen Form und Schnitt ein- für allemal festgesetzt

 hätte. Und andererseits sehen wir, dass die Kirche in der Gegenwart

 wirkliche Vorschriften über Form und Material ihrer liturgischen

Kleider erlassen hat, und su lag es denn sehr nahe zu vcrmuthen, dass

auch der Ursprung des Messkleides auf eine ausdrückliche Anordnung

zurückgehe.

Hervorragende Liturgiker konnten auch wirklich bis auf unsere

Zeit dem Gedanken nicht völlig entsagen, dass i-Bischöfe, Priester und

Diakone schon in der ältesten Zeit eine Gewandung hatten, welche sie

von den Laien augenfällig unterschied und sie irgendwie als mittlerische

Amtspersonen charakterisirter. Und hiemit beginnen wir nach dem Ursprung

 des Messkleides zu fragen, das heißt, wir fragen, 0b und wann

in christlicher Zeit ein Unterschied zwischen profanem und geistlichem

oder, richtiger gesagt, liturgischem Kleide sich entwickelte. In der Gegenwart

 besteht ein solcher Unterschied und er ist so groß, dass es uns

wie etwas Profanes befremdet, wenn wir an's Messkleid auch nur die

wesentlichste Forderung, dass es ein Kleid sei, unbefangen stellen.

Wir sind es gewöhnt, besonders in unseren Landen, als liturgisches

Parament zwei von den Schultern des Priesters nach vorne und rückwärts

 herabgehende, ziemlich breite, meist seidene Stofftheile anzusehen,

eine Art Kleid ohne Aermel, während von den Schultern aus die Arme

nur in das weiße Linnen der Alba, die unter dem Messkleide getragen

wird, gehüllt erscheinen. Besonders die bei unseren kirchlichen nKUDSIhändlernu

 vorräthige Form besteht in einem steifen Doppellappen, dessen

Rückentheil fast ein Rechteck ist; der Vordertheil wird über die Brust

durch einwärts strebende Contouren verengt und schließt nach unten in

breiterer Rundung ab. Eine meist oblonge Oeffnung gestattet das Anlegen

 des Kleides über Kopf und Hals, so dass es von den Schultern

herabhängt. Dieser ganze Schnitt hat in der Profankleidung keine Parallele,

nur in Istrien haben wir einen ähnlichen, aber kurzen Ueberwurf bei der

Landbevölkerung gesehen, der aber mit unserem Messkleide natürlich

keine irgendwie geartete Berührung hat. Aber gerade diese merkwürdige

Form der Casula ist der Grund, warum wir sie aus den priesterlichen

Paramenten hervorheben, um an ihr eine liturgische Formentwicklung

zu zeigen, von umso größerem lnteresse, als der oft reiche Schmuck und

die Kunstarbeit, die sich hier zu allen Zeiten entfaltete, für den Künstler

und Kunstfreund die Frage nahelegt, den Urahn dieses Paramentes kennen

zu lernen.

Die bekannte Ableitung aus der sogenannten gothischen oder romanischen

 Glockencasula bleibt auf halbem Wege stehen. Wir müssen hier,

wie bei fast allen Formen des kirchlichen Kunstgewerbes, um volle Klarheit

 zu erlangen, auf die älteste Zeit des Christenthumes zurückgehen,
            
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