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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 2)


1800 beginnen zu lassen. Noch überwältigt das aus dem erträumten

Weltbürgerthum hervorgegangene Princip einer Weltdespotie jeden Widerstand.

 Doch besinnen sich überall die Völker wieder auf die natürlichen

Bedingungen ihrer Existenz, machen das Recht des geschichtlich Gewordenen

 und Gewachsenen geltend, das Recht nationaler Eigenart, politischer

 und wirthschaftlicher Selbständigkeit, das Recht der mit den

Völkern und Staatswesen verwachsenen Herrschergeschlechter. Noch

scheint die Vergewaltigung unerschütterlich, und dennoch befestigt sich

mehr und mehr der Glaube an eine endliche Abschüttelung der Fremdherrschaft.

 Das Vaterlandsgefühl wird wieder lebendig, genährt durch

die flammenden Worte von Dichtern und Politikern, durch die Pflege

der Geschichte, der Sprache, der Sage; die Jugend sucht ihre Kräfte zu

stählen für die ersehnte Erhebung; das alte Deutsche Reich ist aus

der Reihe der Staaten gestrichen, aber die Deutschen lassen nicht ab, zu

singen und zu sagen und zu träumen vorn Kaiser und vom Reich. Und

als endlich Heldenmuth und zähe Thatkraft der verachteten deutschen

Ideologen das Beste zur Befreiung der Völker gethan hatten, als im Rathe

der Mächte erwogen werden konnte, auf welche alten und neuen Grundlagen

 das aus der Sturmfiuth Gerettete wieder zu befestigen, gegen neuerliche

 Angriffe zu schützen, wie zwischen alten Rechten und neuen Ansprüchen

 zu vermitteln sei: da war auch der Ort für die Berathungen,

für das Sieges- und Friedensfest der Völker schon vorgeschrieben: die

alte Kaiserstadt.

Seinen Abschluss fand das große Werk, das damals fast alle bedeutenden

 Persönlichkeiten Europa's in Wien zusammenführte, mit der

Unterzeichnung der Congressacte, deren Original uns aus dem k. u. k.

Haus-, Hof- und Staatsarchiv anvertraut worden ist; die Grenze einer

Ausstellung aber, die ein Bild der Epoche gewähren soll, musste etwas

weiter hinausgerückt werden, weil der herrschende Stil des Empire nur

allmälig den Uebergang zu einer neuen Geschmacksrichtung fand.

Hier ist nun der Punkt, wo sich das Ausstellungs-Unternehmen mit

den eigentlichen Aufgaben des Oesterr. Museums unmittelbar berührt. Wie

der Cäsarismus selbst, sahen auch das Neurörnische und Neugriechische,

die ihn in der hohen Kunst, der Einrichtung, der Tracht repräsentirten,

ihre Alleinherrschaft nicht mehr allgemein anerkannt, als diese in voller

Bltithe stand, und ebenso wie in der Politik traten, wenn auch anfangs

nur vereinzelt und schüchtern, nationale, geschichtliche, romantische Bestrebtingen

 als die Gegner auf. Endlich zu Siegern geworden, bewiesen

sie gegen das Frühere die nämliche Unduldsamkeit, wie alle neuen Stile

oder Moden. Man war des erstarrten Classicismus überdrüssig geworden

und verwarf ihn in Bausch und Bogen, fast unbesehen. Nun lässt eine

Uebersicht über den ganzen Zeitraum, wie sie in unserer Ausstellung

gewährt wird, innerhalb desselben deutlich verschiedene Phasen erkennen:

zuerst unbefangene Fortbildung der schon unter Ludwig XVI. begonnenen
            
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