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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 3)

Weitere ästhetische. Prinzipien primitivster Art beruhen auf

Glanz, Farbe und Contrast. Der Contrast zwischen der Hautfarbe

und der Farbe des Schmuckes wird allgemein schon von Naturvölkern

mit Absicht und voller Kenntniss der Wirkung herbeigeführt. Negerstämme

 lieben weißen Schmuck, die dunkelbraunen Australier geben

ebenfalls hellglänzendem Schmuck wie schimmernden Muscheln und

weißen Zähnen den Vorzug, die gelben Buschmänner neigen hauptsächlich

 zu dunklen Farben u. s. w. Der Einfluss der Farbe auf die

Stimmung ist primitiven Völkern nicht unbekannt. Allgemein beliebt ist

das Roth, die Farbe freudiger Erregung. Dem Roth zunächst kommt

Gelb. Den kalten Farben, wie Blau und Grün, begegnet man dagegen

seltener. Ganz besonders aber ist es der Glanz, der im Schmuck bereits

von allem Anfang an hocbgeschätzt wird. Die Empfänglichkeit des Auges

für die aufreizende und belebende Kraft des Glanzes, mit der Lichtfreude

aller schauenden Wesen nahe verwandt, gehört ohne Zweifel zu jener

ästhetischen Mitgift, womit die Natur den Menschen bereits bei seiner

Geburt beschenkt, da sogar höher entwickelte Thiere schon eine lebhafte

Empfindung hiefür besitzen. Rhythmus, Symmetrie, Contrast, Farbe und

Glanz vereinigen sich also im Schmuck bereits auf den frühesten Vorstufen

 der Cultur zu gemeinsamer ästhetischer Wirkung, und diese

primitiven Kunstmittel sind heute noch seine wesentlichsten und wichtigsten.

 Aus dem Dunkel fernster vorgeschichtlicher Epochen stammen

also die künstlerischen Grundprincipien der Schmuckbildung.

So wichtig indess diese Elemente sind, sind es doch keineswegs die

einzigen, die der Schmuck bei seinem Eintritt in die Geschichte bereits

besitzt. ln der langen Reihe umwälzender Ereignisse, die sich im Laufe

der Entwicklung eines Volkes vom primitiven Na turzustande zur gesitteten

Culturnation einstellen, geht kaum eines spurlos am Schmuck vorüber.

Bereits die nächsten Schritte in der Cultur, die Uebergänge von der

Jagd zur Viehzucht und von der Viehzucht zum Ackerbau bringen naturgemäß

 eine Fülle neuer Erscheinungen mit sich. Es bestehen gewaltige

Unterschiede im Schmuck der sogenannten Naturvölker, je nachdem sie

einem älteren oder jüngeren Wirthschafts-System angehören. Ein Gang

durch unsere ethnographischen Museen belehrt uns darüber in ausführlichster

 Weise. Die vielfach verstreuten und noch nicht nach solchen

Gesichtspunkten geordneten Thatsachen in richtigen Zusammenhang zu

bringen, bildet eine der Zukunfts-Aufgaben der Ethnologen. Nach dieser

Richtung liegt überhaupt noch viel ungethane Arbeit vor, aber der

muthige Anfang ist bereits gemacht, und zwar in einer vor Jahresfrist

erschienenen, sehr beachtenswerthen Arbeit von Ernst Grosse. Grosse

hat in seinem Buche nDie Anfänge der Kunst-x mit Nachdruck darauf hingewiesen,

 dass der gesammte Kunstbestand vor Beginn jeglichen historischen

Lebens ein viel reicherer gewesen sein muss als man gemeiniglich anzunehmen

 geneigt ist. YVenn sich dies aber so verhält, sagt er mit Recht.

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