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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 3)

selben nehmen, umsomehr als der Fetischisruus, der, wie man annimmt,

am Anfange der Entwicklung religiöser Vorstellungen steht, sich mit seinen

seltsamen Gebilden ganz besonders dazu eignet.

Wir sind mit diesen Betrachtungen bis nahe an den Beginn der

historischen Zeit vorgeriickt. An Stelle der Abstractionen und Hypothesen

tritt die historische Thatsache mit der mehr oder minder deutlichen

Sprache ihrer Monumente. An dieser Grenze finden wir einen Markstein

 von weitreichender Bedeutung. - Zwischen dem vorhistoriachen

Schmuck, den wir uns nach dem Gesagten so reich und üppig vorstellen

müssen, als es ein tiefer Culturstand nur irgend wie gestattet, und dern

Schmuck der historischen Zeit liegt ein Ereigniss, das ihn für alle Zukunft

seiner Alleinherrschaft beraubt, sein Wesen zum Theil verändert und ihn in

bescheidenere Grenzen verweist. Dieses Ereigniss ist das Entstehen der

Kleid un g. Der Schmuck selbst, den sie verdrängt, war ihr Ausgangspunkt,

denn der Gürtel war es wohl, aus dem sie sich entwickelt hat. Ursprünglich

nicht als Kleidung, sondern als Schmuck gedacht, ist aus dem Glirtelbehang

allmälig ein Schurz geworden, dessen Hauptaufgabe nicht mehr die ist,

den Körper zu schmücken, sondern die, ihn zu bedecken. Unvermerkt hat

sich ein ethisches Element zu dem ästhetischen hinzugesellt. Unter

dern Einflusse des den Körper deckenden Schmuckes ist allrnälig das

Schamgefühl entstanden, und von nun an wird es Sitte und Gesetz, den

Körper zu verhtillen.

Angethan mit solcher Hülle, und zwar in einer Form, die ihren

Ursprung noch deutlich erkennen lässt, begegnet uns der Mann in der

ersten Epoche geschichtlichen Daseins. Im vierten Jahrtausend vor Chr.

sehen wir auf den Monumenten des alten Pharaonenlandes die Männer

theils mit einem Schurze, theils mit einem Gürtel bekleidet, dessen Zusammenhang

 mit der Lendenbekleidung primitiver Völker noch deutlich zu

erkennen ist. Im Uebrigen ist an Stelle großer Schmuckflille außerordentliche

 Einfachheit getreten. Die vornehme Sitte der Bekleidung ersetzt

zunächst barbarische Ueberladung mit Schmuck. Der Schmuck ist aber

deshalb nicht verschwunden und verloren. Allmälig ergreift er auch bei

der ältesten unter den Culturnationen wieder Besitz von der menschlichen

 Erscheinung, und zwar in merkwlirdigem Kampf mit der Kleidung,

die er bald zurückdrängt, bald bedeckt, die er auf alle mögliche Weise

aus der ethischen in die ästhetische Sphäre zu erheben trachtet, unablässig

 bestrebt, die Begriffsgrenzen zwischen Schmuck und Kleidung zu

verschieben und zu verdunkeln.
            
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