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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 1)

im Uebrigen aber verdientermallen seine Anerkennung zollt. Das bisher als Augsburger

oder Nürnberger Arbeit angesprochene preußische Reichsschwert (von t;4,o[4l) ist ein

Werk des von Ulm nach Königsberg übersiedelten und dort sesshaften Meisters Jobst

Freudner (S. 3x), und die meisten Einbände der Silberbande rühren von Konigsberger

Goldschmieden her: von Hieronymus Kosler, von Gebhard Lentz (welcher dem

ersteren nsowohl in der Solidität der Technik als auch in ornatnentaler Hinsicht überlegen

 istu) und von Paul Hofmann; es hat den Anschein. als ob diese Drei gemeinsam

gearbeitet hatten. Außerdem waren an der Herstellung der Silberbibliothek drei unbekannte

 Königsbergcr und ein Mindener oder Hannoveraner, endlich aber, und zwar in

vorzüglicher Weise, zwei Nürnberger Meister betheiligt.

Der eine derselben, Cornelius Vorwend, war in den Jahren tggz-tggg in Königsberg

 anwesend und lieferte wahrend dieser Zeit den Einband zur Bibel der Herzogin

(den reichsten und einen der schönsten Einbände); die Ciselirung, Gravirung und

Aetzung der Bibel glaubt L. dem Jakob Bink zuweisen zu sollen, der sich von 1543 bis

1543 in Königsberg aufhielt und im Jahre 1551, wie bekannt, olfen in die Dienste des

Herzogs trat. Von dem zweiten Nürnberger, einem Mitglied der Goldschrniedefamilie

Ritter, ohne Zweifel Christoph Ritter (Ritterlein) dem Aelt. (Meister 1547, 1- 1587), stammt

nachweislich der Band, welcher die Evangelienharmonie des A. Osiander enthielt und

sich im Besitze des Herzogs befand. Bei den nahen Beziehungen Albrecht's zu Osiander

(er nannte denselben seinen geistlichen Vater) ist es denkbar, dass das Buch als eine

i-Verehrung- nach Königsberg kam; aber mit Nürnberg unterhielt Albrecht noch von

seiner fränkischen Heimat her alte Beziehungen, und bei dem immerhin beschrankten

Können der Konigsberger Goldschmiede mochte er sich bei Bestellung einer so außergewöhnlichen

 Arbeit auf Nürnberg angewiesen sehen.

Der Einlluss Nürnbergs auf die nordische Goldschmiedekunst erhellt am deutlichsten

 aus der häufigen Verwendung jener Plaquetten, deren Urheber Lange nicht

kennt. den er einmal in Nürnberg (er erinnert an Peter Flötner und seine nach Neudorfer

 gerade auf diesem Gebiet entwickelte Thatigkeit), dann aber wieder in Augsburg,

vielleicht auch in Basel suchen mochte. Der Unterzeichnete ist in der Lage, die erste

Vermuthung L.'s bestltigen zu ltonnen: der fragliche Meister ist in der That ein Nürnberger,

 und zwar kein Anderer, als der bisher fast nur als Formschneider bekannt

gewordene Peter Flötner. Referent hatte seine Abhandlung über diesen Meister

(i-Peter Flolner als Plastiker und Medailleur, vornehmlich nach seinen in den Kunstsammlungen

 des Ab. Kaiserhauses befindlichen Werkent), welche demnächst in dem

XVl. Bande des Jahrbuches der kunsthistorischen Sammlungen erscheinen wird, bereits

vollkommen abgeschlossen im Drucke vor sich, als ihm das Werk von Schwenke und

Lange in die Hand kam. Er freut sich umsomehr, seine Zuweisungen und sein eigenes

Urtheil über Flütner durch die Charakteristik Lange's (S. 38 fg.) so genau bestätigt zu

sehen und zugleich auf eine Reihe von Schöpfungen dieses Künstlers aufmerksam geworden

 zu sein, die ihm bisher unbekannt waren: Plaquetten, welche an den Einbinden

der Silberbibliothek Verwendung fanden und solche im Berliner Kunstgewerbe-Museum.

Da es dem Referenten, wie der Titel seiner Abhandlung besagt, hauptsächlich darum

zu thun war, Flotner als Urheber gewisser im kunsthistorischen Hüfmuseum befindlichen

Werke zu erweisen und im Uebrigen nur nanderen Forschern etwa einen Fingerzeig zu

gebenu, so wird sein Wunsch begreidich erscheinen, dass gerade Professor Lange sich

der überaus lohnenden Arbeit einer Zusammenstellung des gesammten Bildhauerwerkes

Flotnefs unterziehen mochte; er kann damit die Schuld begleichen, welche die deutsche

Kunstwissenschaft diesem Meister gegenüber abzuttagen hat.

Zum Schlusse ein paar nebensächliche Bemerkungen. Die Figur auf der Vorderseite

 von Fol. l ist m. E. nicht als Patienta anzusprechen, sondern als Holfnung:

aChristus unsere Holfnungu; auf der Rückseite ist Glaube und Liebe angebracht, daher

die dritte der theologischen Tugenden nicht fehlen durfte. Auch entspricht die Stellung

der Figur der auf einem Kupferstiche des lB mit SP ES überschriebenen. Dass hier

von den sieben Werken der Barmherzigkeit einea, das letzte, fehlt, scheint L. entgangen

 zu sein.

Unverständlich ist mir die Bemerkung (S. zg), ndass der Protestantismus sehr

gut in der Lage gewesen wäre, die mittelalterliche Kunst in glänzender Weise fortzuiühren,

 wenn nicht die unglücklichen Religionsltriege die deutsche Cultur schwer geschädigt

 hattena. Der Niedergang und unrettbare Verfall der Künste ist dem Religionskriege

 doch wohl vorhergegangen? Und war die Stellung des Protestantismus gegenüber

 der mittelalterlichen Kunst nicht von Anbeginn eine ablehnende, in großentheils

geradezu feindselige? C. Domanig.

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