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MAK

Full text : Jahresbericht (1906)

NEU AUSGESTELLT

AUSWÄRTIGE

AUSSTELLUNGEN

Die Winterausstellung des Museums trug diesmal der Strömung der Zeit

Rechnung, indem sie eine Reihe von korrekt durchgeführten Interieurs in

historischen Stilen bot, während weiters einige Innenräume in sogenannter

moderner Weise komponiert waren: eine Anzahl solher Räume vertrat, aber auch

ein Genre das eine glückliche Anlehung an Historisches verriet, gleichwohl aber in

gewissem Sinne als modern bezeichnet werden konnte. Es scheint uns als sollten

uns die Schöpfungen dieser letzteren Art einen Ausblick in die Zukunft gestatten,

wiewohl in den auch für uns maßgebenden Kulturstaaten Frankreich und England

mehr denn je an den reinen historischen Stilen festgehalten wird.

Die Winterausstellung enthielt außer zwei modernen lnterieurs und einer

kompletten von Portois ätFix ausgeführten Wohnung, deren Zimmer eine Anlehung

an historische Stile zeigten, eine gotische Stube nach Angaben Seiner Exzellenz

des Grafen Hans Wilczek entworfen vorn Architekten Humbert Walcher von

Moltheim, eine Bauernstube aus dem Alpachtale nach einem Entwurfe des seither

verstorbenen Professors Josef Tapper in Innsbruck, ein Renaissancewohnraum

verfertigt von Anton Pospischil, ein Jagdzimmer für ein kleines jagdschlößchen im

Stile der frühen Barockzeit von Schönthalers Söhne, ein Damensalon Louis XVI

von]. Klöpfer, ein Herrenzimrner im Exnpirestile von Karl Bamberger, ein Speiseraum

 im Stile der holländischen Renaissance aus dem Anfang des XVlI. Jahrhunderts,

 ausgeführt von der Firma Heinrich Röhrs in Prag, ein Wohnzimmer im

Biedermeierstil nach Originalen im Schlosse Wetzdorf von H. Irrnler und ein

Wohnzimmer in der Art des Biedermeierstils von Anton Pospischil, eine Halle

im Stile der Zeit der Königin Elisabeth von England von Sigmund jaray und ein

Frühstückszimmer im Stile Sheratons von demselben, schließlich einzelne Stücke

einer Empireeinrichtung ausgeführt von Portois ä Fix.

Wie in früheren Jahren so zeigten auch diesmal die sämtlichen Gruppen der

Kunstindustrie, etwa die juwelierkunst ausgenommen, gute Vertretung. Daß

an Schmuck nicht viel geboten wurde, erklärt sich durch den Umstand, daß die

Kreationen unsererI-Ierrenjuweliere nicht zahlreich genug sind, als daß diese außer

der Exposition im eigenen Geschäite um die Weihnachtszeit auch auswärtige

Ausstellungen beschicken könnten.

Seine königl. Hoheit Herzog Ernst August von Cumberland hat den seit einer

Reihe von Jahren im Museum exponiert gewesenen Reliquienschatz des Hauses

Braunschweig-Lüneburg, nachdem die Belassungsfrist wiederholt verlängert wurde,

zurückgezogen.

Neu ausgestellt wurden in den Sälen II und III des Museums Porzellane, die

aus fürstlich Metternich-Winneburgschen Besitz stammen und die als ein Teil

des Substitutionsvermögens dieses Fürstenhauses für längere Zeit im k. k. Österreichischen

 Museum verbleiben sollen. Unter diesen Porzellanen, welche zahlreiche

chinesische und japanische Arbeiten umfassen, und wozu auch einiges Wiener

Porzellan, sowie ein Tafelservice aus Sevres aus der Zeit um x81o gehören, ist

namentlich ein großes Service, das nach x84o ebenfalls in Sevres ausgeführt wurde,

als Prachtleistung ersten Ranges zu bezeichnen. Das Service war ein Geschenk des

Königs Louis Philippe an den Staatskanzler Fürsten Clemens Metternich anläßlich

der am xo. Oktober 1846 stattgefundenen Hochzeit seines Sohnes Antoine Philippe

Louis von Orleans, Herzog von Montpensier mit der Infantin Marie Louise,

Schwester der Königin lsabella von Spanien.

In nachstehenden Kronlandsstädten wurde über Ersuchen der betreffenden

Museen eine Ausstellungvonkunstgewerblichen Objekten, welche auf der Weltausstellung

 in St. Louis ausgestelltwaren, veranstaltet: Troppau (Kaiser Franz Joseph-Museuin

 für Kunst und Gewerbe), Linz (Museum Francisco Carolinum), Außerdem

 wurden einzelne Provinzmuseen durch leihweise Überlassung von kunstge-
            
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