und in Deutschland die Scheidelinie für die leicht bestimmbare prähistorische
Vorzeit.
Wenn wir südlich der Donau die römische Occupation als Grenze
dieser Periode ansehen, so ist es naturgemäß, dass in Böhmen und Norddeutschland
das Prähistorische weit länger andauert, dass die Gegenstände
jenes Culturkreises länger im Besitze der Völker geblieben sind, welche
der römischen Herrschaft nicht unterworfen waren. Weiter noch reicht
die Grenze des Prähistotischen im Norden Deutschlands, dann in Schweden
und Norwegen, endlich in Russland, wo oft Gegenstände des w. und u.
' Jahrhunderts noch als prähistorisch angesehen werden.
In dem Nebel des Prähistorischen bleiben vollends jene Völker eingeschlossen,
deren schriftliche Denkmäler so spärlich sind, dass sich ihre
Geschichte daraus nicht reconstruiren lässt, deren Schriftzeichen wir noch
nicht deuten können, oder jene, die überhaupt keine Schrift besaßen.
Wenn solche Völkerschaften uns auch von fremden Geschichtsschreibern
beschrieben wurden, so bleibt ihre eigene Geschichte uns doch zumeist
unklar, und wir sind gezwungen, auf Grundlage dessen, was wir in ihren
Gräbern finden, auf Grundlage prähistorischer Bronzegegenstände uns
nicht nur die Cultur derselben zu vergegenwärtigen, sondern versuchen
es sogar oft ihre Geschichte zu reconstruiren, was uns allerdings bis jetzt
nicht gut gelungen ist. Im Allgemeinen können wir von den prähistorischen
Bronzen, welche wir in unserer Ausstellung finden, wohl behaupten,
dass sie mit Ausnahme des Kaukasus jenen Völkern angehört haben,
welche die römischen Geschichtsschreiber als Gallier, Kelten oder als
Germanen abwechselnd bezeichnen. _
Man weiss, wie diese Bezeichnungen der centraleuropäischen Volksstämme
so ineinandergreifen, dass es außerordentlich schwer ist, von dem
einzelnen Volksstamme zu sagen, ob er als keltisch oder als germanisch
betrachtet wurde, ja, es ist nicht unbekannt, dass der Streit der Gelehrten
sich so weit zugespitzt hat, dass ein Theil die Existenz der Kelten
überhaupt negirt und behauptet, dass die Kelten der Vorzeit von den
Germanen nicht zu unterscheiden wären.
Ich kann auf diesen Streit nicht eingehen, wohl aber muss ich, bevor
ich zur Besprechung der einzelnen Objecte übergebe, die Aufmerksamkeit
dahin lenken, dass auch die Frage, ob die Bronzen, welche im Besitze
der hier lebenden Völker gewesen sind, von ihnen producirt wurden oder
ob sie das Product einer auswärtigen Industrie sind, noch nicht endgiltig
gelöst ist. Die Einen behaupten - und sie haben manche Gründe dafür
- dass alle Bronzen, die wir finden, ausländische Producte sind; diese
Forscher machen darauf aufmerksam, wie die Völker, von denen Cäsar
und Tacitus uns berichten, auf einer so tiefen Culturstufe gestanden
sind, dass es undenkbar ist, wie sie diese ausgezeichneten stylistischen
Formen und diese unübertroffene Technik in der Bronze hervorbringen
konnten. Sie weisen ferner darauf hin, dass in unseren centraleuro-17'