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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 6)

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der Töne durchzubilden. Was die fortschreitende Chemie Neues bot,

wurde sofort herangezogen und für Zwecke der Farbenbereitung ausgenützt.

 Die Porzellanfarbenscala von Sevres ist und stand immer auf

der Höhe der Zeit.

Aber über eine gewisse Grenze ist da nicht zu gelangen. Da zu

den Schmelzfarben nur erdige, feuerbeständige Farbsubstanzen zur Verwendung

 gelangen können, so liegt es in der Natur der Sache, dass die

Palette da nie an die Aquarell- oder gar Oelfarbenpalette mit ihren

satten, organischen Pigmenten heranreichen kann.

Bei Copien muss also die Kunst der Malerei immer durch Farbcontraste,

 Uebereinanderschmelzen mehrerer Farblagen und andere derartige

 Kunstgriffe über fehlende Farbtöne, mindere Farbkraft oder unmögliche

 Mischungen hinwegzutauschen suchen.

Aber selbst wo es sich nicht um solche stricte Copien handelt,

sondern nur um den Farbschmuck der Gefäße überhaupt, wo die zur

Verfügung stehenden Töne vollauf hinreicben, haften den Porzellanfarben

 Mängel an - ästhetische Mängel, die schwer in's Gewicht fallen.

Diese Porzellanfarben, wie sie in Sevres und allen anderen europäischen

 Porzellanfabriken bis etwa zur Mitte des gegenwärtigen Jahrhunderts

 fast ausschließlich zur Zier der Porzellane in Anwendung kamen

- im Wesentlichen färbige Metalloxyde mit äußerst leichtßüssigen Bleigläsern

 gemengt und verrieben-verlangen dünne lasirende Behandlung.

In gelinder Glühhitze, im Mulfelofen, aufgeschmolzen, backen sie an die

Unterlage fest, ohne aber mit dem hartflüssigen Glasurkörper, der dabei

noch gar nicht erweicht, einheitlich glasig zu verschmelzen, ohne es zu

vollkommener glasiger Durchleuchtung zu bringen, wie dies beim alten

Weichporzellan der Fall war.

Daher einerseits die inferiore, matte, kalte Wirkung der Malereien

auf Hartporzellan gegenüber dem weichen vieux Alt-Sevres, in noch

höherem Grade aber gegenüber dem Farbelfecte der decorirten Fayence.

Die Fayence - dem Porzellankörper gegenüber ein inferiores Prcduct

mit ihrer erdigen, porösen Masse und weichen, bleiischen Glasur- bietet

gerade mit der letzteren der Decorationskunst den Vortheil, dass der

Farbschmuck in die Glasur, unter die Glasur verlegt werden kann.

Auch da ist es nur die beschränkte Anzahl erdiger, feuerbeständiger

Farbkörper, die zur Verwendung kommen kann; aber in der Glasur

gelöst oder von derselben durchsetzt, mit derselben verschmolzen, erlangen

 die Farben eine Durchleuchtung, eine Sättigung, gleichwie die

Farbe des Oelmalers durch das Malmittel, das Oel, und erscheinen zudem

durch die volle glasige Verschmelzung aus der Glasur hervorgegangen,

ein einheitlicher Stoff mit dem ganzen Thongebilde - ihm angehörig -

nicht dem fertigen Thonkörper aufgezwungen, oberflächlich aufgeklebt.

Diese spezifischen Reize der Farbglasuren und glasigen Farben und

Emaile der Fayence haben denn auch seit iener Zeit des ersten Por-
            
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