Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 6)

398

indem er hauüg den technischen Charakter der Arbeit nicht in der gewünschten Deutlichkeit

 erkennen lasst; auch weiß man heutzutage bessere Lichtdrucke herzustellen,

sowie ein stärkeres Papier die Benutzung der Tafeln angenehmer machen würde. Doch

über derlei Mängel sieht man gerne hinweg, angesichts des reichen und umfassenden

Materiales, das uns hiemit geboten erscheint. Vieles darunter ist bisher unpublicirt, und

selbst die bekannteren Exemplare, wie z. B. die sogenannte Dalmatik Karl's des Großen,

sind nicht unwillkommen in einem Werke, das in seiner Gesammtheit eine rnoglichst

erschöpfende Darstellung des historischen Verlaufes der Stickereikünste bringen soll.

Ganz besonders Rühmliches ist aber vom Texte zu sagen. Dieser halt sich nämlich nicht

blos frei von den hergebrachten, inhaltsarmen Scbonredereien, sondern bietet sogar eine

bisher vermisste systematische Uebersicht über die verschiedenen Arten der Stickerei

und eine sachgemäße Darlegung ihrer technischen Besonderheiten. Die einzige bisher

erschienene Lieferung mit ihren 48 Seiten Text und mehreren Dutzend Tafeln lässt

bereits mit Zuversicht ein gedeihliches Fortschreiten und reiches Schlussergebniss

erwarten, zumal sich der Herausgeber ausschließlich auf die eigentliche Kunststickerei,

also insbesondere Seiden- und Goldstickerei beschränkt hat, wogegen er von der

gewöhnlichen Garnstickerei auf Leinen, Tüll, Netzwerk u. s. w. vollständig abzusehen

gedenkt. Das Material ist zum größeren Theile von Erzeugnissen der kirchlichen Kunst

bestritten, die ja die Kunststickerei jederzeit in besonders hervorragendem Maße beschäftigt

 hat; es mochte auch dem Herausgeber dieses Gebiet besonders vertraut sein.

Sehr verdienstlich sind ferner die im Texte regelmäßig wiederkehrenden Hinweise auf

aufklärende Notizen aus älteren Kircheninventaren, was der Arbeit de Farcy's geradezu

wissenschaftlichen Werth verleiht. Rgl.

c

Studien zur Kunst- und Culturgeschichte. V. Helldunkel. 3. Chiaroscuro-Camaieu

 - Holzschnitte in I-Ielldunkel. Von Wilh. Seibt. Frankfurt

a. M., Heinrich Keller, 189i. 8'. VIII, 75 S. M. I.

Dem Verfasser handelt es sich zunächst darum, im Allgemeinen auf die Schonheiten

 hinzuweisen, welche in den Holzschnitten mit Tondruck nach Zeichnungen deutscher,

 italienischer und niederländischer Künstler aus dem I6. und 17. Jahrhundert

enthalten sind. Ein kritisches Verzeichniss der Clairobscurs ist mit der obengenannten

Schrift keineswegs beabsichtigt. Nichtsdestoweniger gewährt die verdienstliche Arbeit

eine ziemlich vollständige Uebersicht dieses ganz eigenartigen und hochinteressanten

Zweiges der vervielfältigenden zeichnenden Künste. Nach einleitenden Worten über die

Etymologie von i-Camaieuc, monochrome Malerei, Technik des Zeichnens und der

Helldunkel-Holzschnitte bespricht der Autor mehr oder weniger eingehend die schönsten

Clairobscurs des I6. und t7. Jahrhunderts. Die Reihe wird eroßnet durch die Arbeiten

Lucas Cranach'a - welchem die Erfindung des Golds und Silberdruckes mit großer

Wahrscheinlichkeit zuzuschreiben ist -, dann folgen Jost de Negker und Hans Burgkmair,

 Hans Baldung Grien, Hans Wechtlin, Albrecht Altdorfer, Ugo da Carpi, Antonio

da Trento, Giuseppe Niccolö Vicentino, Andrea Andreani, Bartolomnieo Coriolano, Heinrich

 Goltzius und schließlich Christoph Jegher. Eine kleine Abhandlung über Heraklius

und dessen drei Bücher von den Farben und Künsten der Romer, sowie der Abdruck

von Lucas Cranach's Wappenbrief aus dem Jahre tgo8 und des von Ugo da Carpi im

Jahre t5t6 an den hohen Rath von Venedig gerichteten Gesuches um Schutz gegen

Nachdrucker, sind der Schrift als aAnhünga beigegebem- Der fleißigen und im Hinblick

auf die verschiedenartigen Abdrucksgattungen, Wiederholungen und Copien gewiss nicht

unsehwierigen Arbeit mochten wir nebenher einige wenige ergänzende Bemerkungen

zufügen. So ist die Uebernahme des Papiers durch die Araber von den Chinesen (S. n)

nicht mehr (nach Wattenbach) um das Jahr 704, sondern auf Grund der Forschungen

von Karabacek und Wiesner (Mittheilungen aus der Sammlung der Papyrus Erzherzog

Rainer, II,_lII. Bd.) in die Mitte des 8. Jahrhunderts zu setzen. Von Burgkmaifs nTod

als Dämon der Vernichtunga, B. 40 (S. a8), existirt auch ein Abdruck von drei Platten

ohne den Namen des Jost de Negker und die Jahreszahl tgto. Bei _den Helldunkelblattern

 des Hans Wechtlin (S. 3t) waren desser. Buchtitelverzierungen zu erwähnen

gewesen, besonders eine schone, Bartsch und Passavant unbekannt gebliebene, von zwei

Platten abgedruckte Randeinfassung mit Kindern und Trophäen aus dem Jahre Agtt.

Von Albrecht Altdorfer's nscboner Maria von Regensburg, B. 5; (S. 35) ist in dem

Jahrbuch der konigl. preußischen Kunstsammlungen Vll, 154 ein Abdruck von sechs

Platten reproducirt. Die nUeberraschunga (ila Sorpresau) nach Parmigianino, B. XII,

x48, 13 (S. 54), welche der Verfasser dem Giuseppe Niccolo Vicentino zuschreibt, dürfte

wohl mit größerer Wahrscheinlichkeit den Arbeiten des Antonio da "Trento zugezahlt

werden, Der nRaub der Sabinerin- von Andrea Andreani nach Giovanni da Bologna,

B. Xll, 94, 3 (S. 56, Note) ist eine etwas größere Wiederholung von Bartsch, l. c. z.

R_r.


            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.