Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 6)

383

weil die Absichtlichkeit sich nicht leicht verbergen ließ. Unter dem

Wenigen aber befinden sich einzelne Porträts von einer edlen Einfachheit,

Ruhe und Vollendung, dass man, von der fehlenden Farbe abgesehen,

an die großen Meister des Porträts erinnert wird.

Diese Engländer und ihre Richtung bilden das Neue und in diesem

Sinne auch das Interessanteste der gegenwärtigen Ausstellung, aber bei

Weitem nicht das Einzige. Die Sichtung ist so streng ausgefallen, dass,

wie gesagt, Alles gut ist. Den Engländern stehen stimmungsvolle Landschaften

 aus Oesterreich in Menge zur Seite, desgleichen Genrebilder,

auch wohl einzelne, aber wenige Porträts. - In figürlichen Studien hat

Paris reizende und bildlich vollkommene Photographien gesendet; eine

große Anzahl vortreiTlicher Genrebilder sind die Arbeiten einer italienischen

 Dame. - Thierstücke gibt es zahlreich und charakteristisch, das

Thier selbst in seiner ureigenen Natur porträtartig dargestellt, nicht wie

vor zwei Jahren in allerlei kühnen Situationen, welche nur die Schärfe

der Momentaufnahmen beweisen sollten. -- Der Katalog nennt die Namen

der Aussteller, unter denen sich viele aus der höchsten Gesellschaft, viele

von berühmtem Klange befinden. Wir zählen sie nicht auf, da wir nur

eine so interessante Ausstellung im Museum nicht ohne einige Worte

wollten vorübergehen lassen, und insbesondere es uns darum zu thun

war, von der neuen und so bedeutungsvollen Erscheinung in der Photographie

 unscren Lesern Mittheilung zu machen.

Die Ausstellung orientalischer Teppiche im k. k.

Oesterr. Handelsmuseum.

Von Alois Riegl.

Auf den ersten Blick mag es wunderlich erscheinen, dass ein kunstgewerblicher

 Gegenstand von so allgemeiner Beliebtheit und vielseitigem

Interesse, wie der orientalische Teppich, auf dieser Ausstellung zum ersten

Male einem europäischen Publicurn in einer größeren Anzahl von Exemplaren

 vor Augen geführt wird. Die Thatsache erklärt sich aber, sobald

man die verwaltende Grundtendenz unseres Ausstellungswesens seit fünfundzwanzig

 Jahren in's Auge fasst. Die retrospectiven Ausstellungen kunstgewerblicher

 Erzeugnisse, wie sie von unseren Museen veranstaltet worden

sind, galten alle im letzten Grunde einem eminent praktischen Zwecke:

durch den Hinweis auf die Vorzüge älterer Arbeiten belehrend, anregend

und fördernd auf das moderne Schaffen einzuwirken. Solcher Zweck hatte

aber beim orientalischen Teppich schlechtweg, d. i. beim Knüpfteppich

keine Geltung: sowie dieser bisher eine Specialität des Orients gewesen

ist, wird er es umsomehr in künftigen Zeiten bleiben, weil schon rein wirthschaftliche

 Gründe seine Herstellung in großem MaBstabe im industriegesättigten

 Europa unmöglich machen. Versuche sind zwar da und dort

7.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.