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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 8)

ugp. MITTHEILUNGEN wg"- 
Erster Jahrgang. 
15. Mai 1866. 
k. k. österr. Musßums für Kunst ä Industrie. 
(Monatschriff für Kunst ä Kunstgewerlre.) 
(Am I5. eins: jeden Monats erscheint eine Nummer. - Abounemenislmreis per J uhr 3 (L  NV. 
Redactenr Dr. G. Thu. Expedition von C. GerolvPs Sohn. Man abonuirt im hlnseuvn, bei 
C. Geroltfs Sohn, durch die Posmnsmimeu, sowie durch alle Buch- und Kunsthamlluugun.) 
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Alt-Wißrr Puroelhn. - Ueber diß BergkryallH-Scnlpturen das Iitlßlllurl. - Erößnulux; cillt-r [vor 
mllmnlen AllsskellllngJlunsßinüllxtrieller Objeole im lslilutn dellu xcimce, leitete ud nrti in Veuell 
- Eine nun Architellurachule in Plriu. - Vorleaullgel im Museum. - Kleinere llillheihlungqp. 
Neue Erwerbungen llil der Htnlllglbs des Katllhgc! der Drlllmenfstiohßllmmlung des k. k. öslerr. 
luuuml In III 1865. 
 
 
Alt - Wiener Porcellan. 
J. F. Eine ausgezeichnete Collection von älterem Wiener Porcellan, der 
Fürstin Dietrichstein gehörig, welche in jüngster Zeit durch die Freund- 
lichkeit der Besitzerin irn österreichischen Museum zur Ausstellung gelangt 
war, gibt uns den Anlass, mit einigen Worten der kaiserlichen Fabrik und 
ihrer einstigen Verdienste zu gedenken. Sämmtliche Stücke, gegen 200 an 
der Zahl, gehörten der Blüthezeit der Fabrik an und gaben uns einen guten 
Begrilf von ihren Leistungen und ihrem Genre. Wir zweifeln, ob eine 
zweite ähnliche Sammlung von Wiener Porcellan existirt, die durchweg 
Werke ersten Ranges in dieser Anzahl und Verschiedenheit enthält. 
Der Gründer dieser Fabrik war ein Flüchtling der Meissner Anstalt, 
Stöbsel oder Stöfsel, welcher das Geheimniss der Fabrication, nach 
dem damals allerseits geforscht wurde, 1718 mit nach Wien brachte. Mit 
ihm vereinigte sich ein Belgier Du Paquier zur Gründung einer eigenen 
Porcellanfabrik und erhielt darauf 1720 ein ausschliessliches Privilegium 
auf Rinfundzwanzig Jahre. Allein die Anstalt wollte aus Mangel an (lapi- 
talien nicht gedeihen, sie gerieth in Schulden, und um sie vor dem Unter- 
gange zu retten, übernahm sie 17-34 Maria Theresia als kaiserliche Fabrik 
und machte Du Paquier zum Director. Seit dieser Zeit wurde auch der 
kleine blaue österreichische Schild als Marke des Wiener Porcellans ein- 
geführt. Obwohl die Fabrik sich nunmehr hob und ausserordentlieh er- 
weiterte, die Zahl der Ärbeiter sich bis zum Jahre 1770 auf 200 Personen 
und bis 1780 auf 300 belief, erreichte sie doch erst gegen das Ende des 
Jahrhunderts ihre eigentliche künstlerische Blüthezeit. 
Kaiser Josef wollte sie anfangs verkaufen, allein bei der Feilbietung 
im Jahre 1784 fand sich niemand, der sie um den Schätzungspreis von 
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