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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 8)

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derjenigen Zeit, aus welcher es hcrriihrt, hervorzuheben; sie hat ferner den letzten Zweck 
jedes architektonischen Bauwerkes, die Schönheit, im Auge zu behalten. Sie ergänzt und 
unterstützt gewissermnssen mit praktischen Beispielen die Theorie der Architektur und be- 
stärkt den Künstler in den Grundsätzen, s.n die er sich halten soll. 
Constructionslehre (35 Lectionen). Studium der Materialien, nicht wie 
bei der Geologie, Chemie und Physik vom Standpuncte der Eigenthümlichkeiten der StoEe, 
oder mit Rücksicht auf die Widerstandskraft, wie in der Mechanik, sondern im Hinblick 
auf die Gesnmmthcit der besonderen Eigenschaften, welche der Constrncteur von dem einen 
oder anderen Materials verlangt: Solidität, Undurchdringlichkeit, Gewicht, leichte Behandlung, 
leichter Bezug, äussere Erscheinung. Mit Rücksicht auf alle diese Gesichtspunkte werden 
hier natürliche und künstliche Steingsttungen, Holz, Metalle und die verschiedene Art und 
Weise ihrer Verwendung bei Fundamenten, Wänden, leeren Zwischenräumen, Reliefs, Säulen, 
Fussböden, Gewölben, Dachwerken, Dschhedeckungen, Verkleidungen, Wassersbzügeu, 
Wasserleitungen, und die Erhaltung der Materialien in gutem Stande abgehandelt. 
Rechnungswesen der Coustructienslehre (10 Lectionen). Beschreibung, 
Bemessung und Schätzung, Bauanschläge, Marktpreise u. s. f. 
Die auf des Cun structions wesen Bezug nehmende Gesetzgebung (10 Lectionen). 
Endlich politische Oekonomie (12 Lectionen). BegriE von Arbeit, Production, 
Consumtion, Cnpitsl, persönlichen Diensten, Werth, Reichtbum, Eigenthum, Monopol und 
Concurrenz. Anwendung dieser volkswirthschnftliclnen Begriße auf das Gebiet der schönen 
Künste. (Bei der Eintheilnug der Consumtion iu eine prodnetive und unproducüve, in nütz- 
liche und Luxusconsurntion ist jene der Kunstwerke selbstverständlich unter die productiven 
und nützliche eingereiht.) Statistik (allgemeine, specielle und vergleichende). 
Eigenthümlichkeit der Arbeitsbedingungen für die verschiedenen Epochen: Darstellung 
der allmälig fortschreitenden Besserung der volkswirthschaßlichen Verhältnisse; Fortschritt 
der Gesetzgebung auf diesem Gebiete, dermuliger Stand derselben. 
Vorlesungen im Museum. 
(Fortsetzung ins dem April-Hefte.) 
(Dr. v. Llttzow über dle Geschichte der ornsmentnlen Künste bei 
den Griechen und llümeril.) Nach einigen einleitenden Worten über die Bedeutung 
der geschichtlichen Betrachtung der Kunst für die Erkenntniss des Schönen constatirte Dr. v. 
Liitzow in seiner ersten Vorlesung, dass die Beschüßignng mit der Kunst des clnssischen 
Alterthums bisher mit Vorliebe, ja fast ausschliesslich den höchsten Sphären der Architektur 
und Plastik zngewendet blieb und die Werke der ornamentalen und gewerblichen Künste 
vorzugsweise der antiquarischen Forschung anheimiielen, während doch gerade die Betrach- 
tung des hellenischen Volkes die Wichtigkeit der ornamentalen Kunst besonders nahe legt, 
da eben hier jenes innige Band zwischen Kunst und Handwerk gekniipß war, an dessen 
Wiederherstellung heute gearbeitet wird. Derselbe Geist, welcher die Baukunst und die 
Plastik der Griechen erfüllt, war auch auf alle Gebiete des Handwerks übergegangen und 
eine und dieselbe geschichtliche Entwickelung zeichnete den schmückeuden wie den bilden- 
den Künstlern die Bahnen ihrer Thiitigkeit vor. 
Decorative Künste sehen wir bei allen Nationen ausgeübt, lange bevor diese eine 
Culturstnfe erreichten, welche sie für die reine Kunst befähigte. Zugleich zweckmiissig 
und zierlich geformte und geschmückte Geriithe und Waden verfertigten auch Volksstimme, 
die niemals dazu gelangt sind, durch Bauten oder Bildwerke sich einen Platz in der Kunst- 
geschichte zu erobern. Und zwar weisen die Erzeugnisse der schmiickenden Künste, wie 
die Sprachen, überall auf gemeinschaftliche Wurzeln hin; zu voller Entfaltung und Bliithe 
konnten sie jedoch nur in einer von Kunstsinn überhaupt erfüllten Atmosphäre gedeihen. 
Bei den Völkern des Alterthums fand der Vortragende drei Stufen der Entwickelung 
der ornamentalen Kunst: die erste kennt den Schmuck nur als äusserlich angebrachte Zierst 
und bedient sich der einfachsten Elemente, des Punctes und der geraden oder gekrümmten 
Linie. Doch begegnen wir auch hier schon einem gewissen Sinne fir Symmetrie und dem 
Bestreben, die Zierat der Form des Gerüthes, Kleidungsstücken u. s. w. anzupassen. Die 
zweite Stufe, auf welcher sich z. B. die alten Völker des Orients beiinden, sucht die Gegen- 
stände nicht nur in zierliche und den Augen wohlgefillige, sondern auch geistig bedeutsame 
Formen zu kleiden. Doch erscheint hiebei die schmiickende Zuthat, soi sie nun figür- 
lieber oder vegetabilischer Natur, stets nur als ein Appendix der Form: z. B. schaut der 
Fnss eines Tisches oder der Schaft einer Säule oben und unten als nackter Klotz aus der 
ornamentalen Umhüllung hervor, als ob-ur durch den Balg des Thieres oder das Bohr der 
Pflanze nur hindnrchgesteckt wäre. Die dritte und höchste Stufe, die der nicht blos äusser-
	        

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