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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 17)

stock und liefert weit und breit im nördlichen Böhmen und Schlesien ein trehliches Materials

 für Strassen.

Die dritte Gruppe, jene der Kalksteine, ist von allen die wichtigste. Die

ihr anfallenden Gesteine bestehen ganz oder sehr vorherrschend aus kohlensnurem Kalk

und enthalten oft zahlreiche versteinerte Organismen, wie z. B. Meeres-Conchilien, was

bei den beiden vorhergehenden Gruppen niemals der Fall ist. Man kann die folgenden

Hauptgruppen von Kalksteinen unterscheiden:

u) Der Statuen-Marmor, rtatuario der Italiener, meist krystallinisch, an den Rändern

durchscheinend, ohne organische Reste. Ein ausgedehntes Lager von Statuen-Marmor zieht

sich als eine Einlagenmg im Schiefergebirgs längs dem Nordrande unserer Alpen hin, wird

jedoch nur an wenigen Puncten ausgebeutet, wie z. B. bei Schlanders in Tirol und in der

Kainisch nördlich von Graz in Steiermark, und erreicht bei Pittsn unweit Wiener Neustadt

sein Ende. Die Statuen im Garten von Schönbrunn und das Hafer-Denkmal in Innsbruck

stammen von Schlanders. Kleinere Vorkommnisse linden sich im nördlichen Theile des

Erzheraogthums Ossterreich. Wo dieser weisse Marmor durch zahlreich eingelagerte graue

Plättchen von Thonschiefer verunreinigt ist, nimmt er eine bliiuliche Farbe und zuweilen ein

gehändertes Aussehen an. In diesem Zustande ist er allerdings zur Herstellung von Statuen

 nicht verwendbar, wird aber datiir in neuerer Zeit zu Tischplatten in Restaurationen

u. s. w. mehr und mehr gesucht. Die Italiener nennen diese Varietät Bardiglio; sie

kömmt z. B. zu Bann bei Spitz an der Donau vor.

b) Einen Uebergang von dem weissen krystallinischen Statuen-Marmor zu den

nächstfolgenden Gruppen bilden jene lichten Kalksteine, welche mit einem ausserordentlich

feinen Korn einen grossmuschligen Bruch verbinden und welche häufig organische Beste

enthalten, ohne dass dieselben jedoch einen wesentlichen Antheil an der Zusammensetzung

und dem Aufbaus des Gesteins nehmen. Sie werden ausnahmsweise auch wohl zur Herstellung

 von Statuen verwendet. Man kann hierher die Steine von Solenhofen und Eichstiidt

 in Baiern zählen, welche dem oberen Theile der Juraformation angehören und deren

dünn geschichtete Varietäten bald als lithographische Steine zubereitet, bald unter dem

Namen Kehlheimer Platten in grosser Menge nach Wien gebracht werden. Zwei der ausgezeichnetsten

 Steinsorten Ober-Italiens fallen in diese Gruppe, und zwar der Biancone

aus dem unteren Theile der Kreideformation, welcher z. B. in der Bocca di Brenta nördlich

 von Bassano in grossen Brüchen gewonnen wird, und der Membro aus der Eocän-Formation,

 dessen wichtigste Gewinnungsorte sich bei Chiampo nördlich von Vicenza

befinden. Die lichten Kalksteine des Karst, welche in neuerer Zeit vielfach als Pflastersteine

 hier in Wien in Verwendung kommen, und der Biaucone, welcher in einzelnen

Proben aus der Umgegend von Fiurne und aus Dalmatien bekannt ist, gehören hierher.

Man hat der Aufsuchung dieses schönen Msteriales in den südlichen Theilen der Monarchie

 noch zu wenig Aufmerksamkeit zugewendet. Der Mernbro, welcher eine grössere

Hirte, eine grössere Menge von Splittern organischer Reste, einen weniger ausgezeichneten

 muschligen Bruch und in seinem Innern blaue, nicht entfärbte Partien enthält,

nähert sich durch alle diese Kennzeichen mehr der nächstfolgenden Gruppe.

An den Membro schliessen sich zunächst die weissen, rosenrothen oder lichtgelben

Marmorsorten des Untersberges bei Salzburg und die lichtgrauen mit Muscheltriimmeru

erfüllten Kalksteine von Aviano, von welchen die ersteren die Sockel der Statuen am

änsseren Burgplntzo bilden, während aus den letzteren eben der Sockel des Schwarzenberg-Monumentes

 hergestellt wird.

Beide letztgenannten Vorkommnisse sind Ablagerungen der oberen Kreideformation,

ebenso wie die plattigen weissen oder ileischrothen Kalkateine, welche man in den Südalpen

 Scaglia nennt.

o) Als die dritte Gruppe der Kalksteine fassen wir alle jene Kalksteine zusammen,

welche der Hauptsache nach von organischen Resten aufgebaut sind. Sie finden in

neuerer Zeit in Oesterreich eine sehr ausgedehnte Verwendung und gehören ohne Ausnahme

 den älteren und mittleren Theilen der Tertiirformation an.

In einer Tiefe von etwa. 15-25 Faden unter der Oberfläche vieler der heutigen

gvemiissigten oder subtropischen Meere bestehen ausgedehnte raaenartige Ausbreitungen von

knalligen und vielfach unregelmäßig verzweigten Gebilden. welche man Nulliporen zu

nennen pdegt. Diese Nnlliporen-Ritfe spielen also eine lihnliehe Rolle, wie die Korallenbauten

 unter den Tropen. Ihre Farbe ist in den gegenwärtigen Meeren in der Regel eine

röthliche; im Querbruche lassen sie schon das freie Auge eine unregelmäßig concentrische

 Structur erkennen. Wir wissen durch die mikroskopischen Untersuchungen Ungefs,

 dass diese Nulliporen dem Ptlanzenreiclne angehören, und zwar bilden sie eine Abtheilung

 von Algen, welche durch die massenhafte Abscheidung von kohlensaurem Kalk in

ihrem Gewebe sich gleichsam selbst versteinern. Sie sind es, welchen man hanptslchlich

die Bildung der Bausteine dieser dritten Gruppe zu danken hat.
            
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