Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 17)

Eine eigenthümliche, allen Gesteinen ohne Ausnahme zukommende und in den

Steinbrüchen wohlbekannte, aber ausserhalb derselben viel zu wenig berücksichtigte Erscheinung

 ist der beträchtliche Wassergehalt aller frisch gebrochenen Stücke. Jede Steinsorte

 ohne Ausnahme enthält in dem Momente der Gewinnung ein viel grösseres Maas von

Feuchtigkeit, als spüter, wiegt daher in diesem Zustande schwerennnd ist leichter zu bearbeiten,

 aber auch den Einwirkungen des Frostes mehr ausgesetzt Viele Gesteine nehmen erst

längere Zeit nach ihrer Gewinnung ihre normale Tragfähigkeit an. Dieses grössere Mass

von Feuchtigkeit, welches man die Gebirgsfeuchtigkeit zu nennen pßegt, erklärt sich durch

das Vorhandensein von Wasser auch in jenen feinsten Poren und Lücken, welche nach

dem ersten Austrocknen des Steines mit Luft gefüllt sind, die spiiterhin nicht mehr durch

das eindringende Wasser verdrängt wird. So haben z. B. englische Versuche gelehrt, dass

dichter Granit, nicht lange nach seiner Gewinnung erwärmt, (T7 Procent seines Gewichtes

an Gebirgsfeuchtigkeit verlor und nichtsdestoweniger schon im Stande war, nach mehrstündigem

 Eintauchen in Wasser noch 0'2 Procent in seine grösseren Kliifte zu absorbiren,

 folglich in diesem Zustande ein Procent an Wasser und zwar V5 davon als Gebirgsfeuchtigkeit

 in den feineren Zwischenräumen, und Y, als absorbirtes Wasser in den grösseren

Zwischenräumen einschloss. Bei lockeren Gesteinen spielt die Gebirgsfeuchtigkeit eine

noch viel grössere Rolle. Die leichtere Bearheitbarkeit der frischen Stücke war es ohne

Zweifel, welche veranlasste, dass in den ersten Zeiten des Baues der Stephanskirche die

Werkstücke in Eggenburg, Zogelsdorf, Schleinitz und den anderen Brüchen an den Gehlingen

 des Manhardtsberges ausgearbeitet und im vollendeten Zustande nach Wien geführt

 wurden. Das Verlangen der Wiener Meister. ihre Stücke selbst zu arbeiten, gab den

ersten Anlass zur Eröffnung einer grossen Anzahl von Brüchen bei Wien und längs dem

Leitha-Gebirge, durch welche der Stein von Zogelsdorf u. s. w. endlich bis auf den heutigen

 Tag von Wien verdrängt worden ist. An ähnlichen Gesteinen hat man kürzlich erst

bei dem Baue einer Eisenbahnstrecke unweit Agram die Erfahrung gemacht, dass im Frühjahrs

 gebrochene Blöcke, welche ihre Gcbirgsfeuchtigkeit verloren hatten, dem Froste

des Winters trefflich widerstanden, während die im Herbste gebrochenen und noch nicht

ausgetrockneten Steine zersprengt wurden und ersetzt werden mussten.

So mannigfaltig die zur Verwendung gelangenden Bausteine in Bezug auf ihre Tragfähigkeit,

 ihr Gewicht, ihre Dauerhaftiglreit. Farbe und anderen Eigenschaften auch sein

mögen, fallen doch die meisten, und namentlich alle vorziiglicheron, in eine der folgenden

vier Gruppen:

l. grauitartige Gesteine,

2. vulcsnische Gesteine, Laven und vulcanische Tnße,

3. Kalksteine,

4. Sandsteine.

Obwohl jede dieser vier Gruppen durch eine grosse Anzahl von Merkmalen von den

übrigen sich auszeichnet und namentlich in Bezug auf die Dauerhaftigkeit ein anderes

Verhalten zeigt, als die übrigen, es also bei der Beurtheilung irgend eines Gesteines vor

Allem sich darum handelt, welcher Gruppe man dasselbe znznziihlen habe, trilTt man doch

bei unseren Empirikern auf zahlreiche Verwechselungen. So wird z. B. der mit organischen

 Besten erüillte Kalkstein von Neu-Baiern in der Regel als Granitmarmor, zuweilen

 sogar schleehtweg als Granit bezeichnet und der poröse Kalkstein von St. Margarethen

 bei Rust trägt bei uns allgemein den Namen Margarethner Sandstein.

Es ist nicht möglich, innerhalb des kleinen hier gegebenen Rahmens ein Bild der

überaus mannigfaltigen, zu Bauzwecken in vorzüglicher Weise verwendbaren Gesteine des

Kaiserthurns Oesterreich und des Zusammenhanges zu geben, welcher zwischen ihrer Vertheilung

 und der geologischen Beschadenheit der einzelnen Landcstheile herrscht. In

Nachfolgenden geben wir nur einzelne hervorragende Beispiele.

Die erste Gruppe, jene der granitartigen Gesteine, umfasst alle Felsarten,

 welche aus einem Gemenge von deutlich krystallisirten Einzel-Mineralien und einer

derben Grundmasse bestehen. Hierher gehört vor Allem der Granit, dessen feinkörnige

Varietäten härter und dauerhaßer sind, als die grobkörnigen. Er besteht aus einem innigen

 Gemenge der drei Mineralien Feldspath, Glimmer und Quarz. Der feinkörnige blaue

Granit von Mautbausen ist ein Beispiel der ersten Sorte. Es ist bereits erwähnt worden,

dass nach Bebhannh Versuchen l Kubikfuss desselben 143 Pfund wiegt und dass seine

Tragfähigkeit S9 Ctr. per Quadratzoll betrügt. Es kommen zuweilen gelbentfarbte Stücke,

namentlich unter unseren Pflastersteinen, nach Wien; diese sind von minderer Qualißt.

Der blaue Granit von Mauthansen, obwohl zuweilen durch dunkle ovale Flecken, welche

von den nestüirmigen Ansammlungen von dunklem Glimmer herrühren, entstellt, ist doch

in Bezug auf Tragfähigkeit und Dauerhaüigkeit als der vorzüglichste Stein anzusehen,

welcher dsrrnalen in Wien zur Verwendung kümmt.

Grohkörniger Granit ist in Böhmen, im westlichen Mlihren (s. B. bei Namiest), im
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.