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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1868 / 37)

Auf dem Gebiete der kunstindustriellen Technik müssen die 
Bestrebungen des Chemikers Herrn Kosch, die Einführung des 
Emails in die Bronzeindustrie, die schönen galvanoplasti- 
sehen Leistungen des Herrn Haas, die Bemühungen hervorragender 
Industrieller zur Hebung des Geschmackes in der Glasindustrie, inder 
Teppich- und Seidenweherei und der Stickerei besonders her- 
vorgehoben werden. 
Es ist bekannt, wie bedeutend derEinHuss derKunst auf den Zweig 
der sogenannten „Wiener Modeartikel" ist, welchen die Etablissements 
der Herren Klein, Rodeck und Rosen berg in glänzenderWeise ver- 
treten. Herr Ratzersdorfer hat eine Reihe von Goldschmiedarbeiten 
ausgeführt, die mit zu dem künstlerisch Vollendetsten gehören, was in 
Mitteleuropa zur Erscheinung kam. Mit besonderer Auszeichnung müssen 
vom Standpunkte der Kunstindustrie die Leistungen der Buchbinder 
Groner, Rollinger und Girardet genannt werden. 
Unter diesen Verhältnissen tritt die Bedeutung selbstständiger kunst- 
gebildeter Zeichner immer mehr in den Vordergrund. Im verflossenen 
Jahre waren es vorzugsweise die Zeichnungen des Herrn Storck und 
seiner Schüler V.Teirich und Feldscharek, des Architekten Groner, 
des Professors Klein (fiir Glasmalerei), der Herren Fischbach und 
Sodoma und der Zeichner der Firma H an s, welche sich verdiente An- 
erkennung zu verschaffen wussten. 
Hand in Hand mit den Bestrebungen, stylgerechte Elemente in die 
Kunstindustrie Wiens einzuführen, geht die Aufnahme einer auf wissen- 
schaftlichen Grundlagen beruhenden ästhetischen Kritik der modernen 
Kunstindustrie. 
Von den Kunstschulen mögen folgende That-acheu verzeichnet 
werden: " 
An der Akademie der bildenden Künste hat die Architek- 
turschule eine Organisation erfahren, welche mit dem neuen Statut der- 
selben im Zusammenhange steht, und diesem vollständig entspricht. Das 
Museum der Gypsabgiisse daselbst hat grosse Bereicherungeu erfahren 
und ist sehr zweokmässig aufgestellt. 
An der Bauschule des polytechnischen Institutes sind die 
Lehrmittel zweckmä-ssig erweitert und das früher vernachlässigte Frei- 
hand- und Ornamentzeiehuen sowie das vModellirou in den Kreis der 
Lehrgegenstände eingeführt worden. 
Das Statut der Kunstgewerbeschule des Museums hat die 
allerhöchste Genehmigung erhalten, und diese Schule ist um 15. October 
1868 eröffnet worden. 
Die Pariser Ausstellung hat im verflossenen Jahre in den weitesten 
Kreisen die Ueberzeugung wach gerufen, dass der Zeichenunterricht 
im Grossen gefördert werden muss. Es wird viel Energie und
	        

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